Ehemals Königliche Hoftheater, 1909 bis 1912 von Max Littmann als Doppeltheater mit Opern- und Schauspielhaus erbaut. 1924 wurden die Gebäude unter Denkmalschutz gestellt. Erhalten blieb nach dem II. Weltkrieg nur das mit klassizistischen Säulen geschmückte Große Haus.
Im Schauspielhaus finden Veranstaltungen des Schauspiel Stuttgart und des Stuttgarter Balletts statt. Nach Diskussionen über eine Wiedererrichtung begann man 1959 nach der Kriegszerstörung an alter Stelle mit einem Neubau nach Entwürfen von Hans Volkart. 1962 konnte das Schauspiel den Spielbetrieb im Kleinen Haus aufnehmen. 2002 wurde der Bau in Schauspielhaus umbenannt. Das Schauspielhaus wurde von 2010 bis 2013 grundständig saniert und im September 2013 wiedereröffnet.
Dann zieh doch Deine alte Cordhose an! Natürlich bleibt auch diese lieb gewonnene Pointe zentraler Bestandteil der Spielplananalyse 26/27. Gerade in Zeiten allgemeiner Unsicherheiten ist es wichtig, den Menschen nicht verhandelbare Werte zu vermitteln. Allerdings werden wir uns den Herausforderungen der Konkurrenz aus China nicht verschließen. In Zusammenarbeit mit KI-Spezialisten wurden Titelteile deshalb von 25/26 auf 26/27 verändert. Alte Witze unter neuen Titeln – alles andere macht die Ränder stark! SPIELPLANANALYSE 26/27 ist ein klares Bekenntnis zum Standort Baden-Württemberg. Gastspiele in Ungarn und der Slowakei haben mir den Wert des Stuttgarter Fachpublikums noch einmal drastisch vor Augen geführt. Eine gemeinsame Sprache hilft. Mag sie auch noch so einfach sein. Der Respekt vor den Kolleg:innen des Ensembles verbietet es mir auch in der kommenden Spielzeit, die Aufführungen anzuschauen. Die Analyse soll aus sachlicher Distanz erfolgen, mit der kalten Nüchternheit des Forschers. Als Zuschauer ist man häufig von der Attraktivität der Protagonist*innen so fasziniert, dass es den analytischen Blick trübt. Mag der Abonnierende auch nie gekannte Momente inneren Friedens erleben, wenn sein Gehirn gekitzelt wird – für den aus Steuergeldern bezahlten Analytiker gehört es sich nicht. So viel Anstand ist altmodisch, ich weiß. Aber in zahlreichen Mails schreibe ich mir dafür viel Zuspruch. Lassen Sie uns gemeinsam die Hütte vollmachen, oder wie wir Schwaben sagen:
Termine
So 20.9.2026, 18:00 | Premiere
Mo 19.10.2026, 19:30
Di 15.12.2026, 19:30und weitere Termine
Mo 15.2.2027, 19:30
Do 4.3.2027, 19:30
Do 6.5.2027, 19:30
Mi 16.6.2027, 19:30
Zwischen zwei Menschen entsteht manchmal, wie selten, eine Welt
Eine theatrale Erkundung zu Hannah Arendt und Totenauberg von Elfriede Jelinek
Premiere: 26.9.2026
Hannah Arendt gibt die Welt nicht auf, sie will sie verstehen. Denn Verstehen bedeutet für sie „die spezifisch menschliche Weise, lebendig zu sein“, aber auch „unvoreingenommen und aufmerksam der Wirklichkeit, wie immer sie ausschauen mag, ins Gesicht zu sehen und ihr widerstehen“. Faschismus, Konformismus und Gewalt prägten ihr Leben. Verstehen-Wollen war dabei auch eine Form des Widerstands. Den Mut dazu schöpfte sie aus dem ihr eigenen Urvertrauen, dem „Weltvertrauen“ des gemeinsamen Menschseins. Für sie ist Denken ein innerer Dialog, der erst im Austausch mit anderen entsteht. Aus Begegnungen mit bedeutenden Intellektuellen ihrer Zeit wurden intensive Freundschaften, wie mit Günther Anders (mit dem sie für kurze Zeit verheiratet war), Karl Jaspers, Walter Benjamin, Hans Jonas, Gershom Scholem, Theodor W. Adorno oder mit ihrem zweiten Mann Heinrich Blücher. In diesen Freundschaften fand sie eine Heimat, die sie mit dem Nationalsozialismus verloren hatte.
1924 begann Hannah Arendt bei Martin Heidegger Philosophie zu studieren. Ein geheimes Liebesverhältnis mit dem verheirateten Heidegger war die Folge. Trotz seines Engagements im Nationalsozialismus sowie seiner Mitgliedschaft in der NSDAP – die einen tiefen Bruch in der Beziehung nach sich zog – blieb eine lebenslange, intellektuelle und persönliche Verbundenheit bestehen.
Elfriede Jelineks Theatertext Totenauberg, angelehnt an Todtnauberg, wo Heidegger zeitweise lebte, setzt sich ebenso mit dessen zerstörerischem Naturkult wie mit der Beziehung zu seiner Meisterschülerin auseinander. Anders als Heideggers berüchtigtes Schweigen brachte Arendt die Vergangenheit vielstimmig zum Sprechen: die eigene Flucht, den nationalsozialistischen und den stalinistischen Terror. 1961 verfolgte sie, inzwischen amerikanische Staatsbürgerin, als Reporterin den Prozess gegen Adolf Eichmann in Jerusalem. Die Inszenierung nähert sich dieser unbestechlichen Denkerin des 20. Jahrhunderts basierend auf ihren eigenen Briefen und Texten sowie auf Jelineks Stück. Sie findet an unterschiedlichen Orten im Schauspielhaus statt.
Inszenierung: Burkhard C. Kosminski
Bühne: Florian Etti
Kostüme: Ute Lindenberg
ab Klasse 10
Termine
Sa 26.9.2026, 18:00
So 27.9.2026, 18:00
Sa 10.10.2026, 18:00und weitere Termine
So 11.10.2026, 18:00
Mo 26.10.2026, 18:30
Di 27.10.2026, 18:30
Sa 21.11.2026, 18:00
So 22.11.2026, 18:00
Do 10.12.2026, 18:30
Fr 11.12.2026, 18:30
Sa 9.1.2027, 18:00
So 10.1.2027, 18:30
Di 23.2.2027, 18:30
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Schauspiel
Tanzende Idioten
von Thorsten Lensing
Stuttgarter Premiere: 2.10.2026
Mit Texten von Denis Johnson und Originalzitaten der NASA-Apollo-Missionen zum Mond
Was tun, wenn eine unheilbare Krankheit ins Leben einschlägt? Wie lässt sich die eigene Vergänglichkeit begreifen? In fatalistischer Hingabe oder im Geiste eines Aufbruchs? Goldie, eine Frau mittleren Alters, entscheidet sich für Renovierungsarbeiten: Ein Holzhaus mit gläserner Decke soll es werden. Darüber der Himmel, das All. Doch vereiteln krankheitsbedingt ungehorsame Beine ihre tatkräftigen Bemühungen und ihre hoffnungsvollen Visionen verkommen zu Anweisungen an andere, statt sich eigenständig zu entfalten. In geringerem Zwiespalt befindet sich derweil ihr Kater Apollo. Er weiß die ungewollt einkehrende Ruhe, den gelähmten Trubel durchaus zu schätzen, bieten sie doch Gelegenheit zur stillen Kontemplation in Zweisamkeit mit seinem Frauchen.
In ihren lustvoll sturen Überlebenskampf bricht Goldies Vater mit der Kraft eines zweiten Sommers ein: Frisch verliebt ist Tony mit seiner neuen Partnerin Vivian und einem Wohnmobil auf dem Weg ans Meer, als sich der Besuch bei der Tochter unverhofft als existenzielle Begegnung erweist. Auf die vereitelten Lebensträume der Tochter treffen die blühenden Ambitionen des alternden jungen Paares. Den einen wird mit Blick auf den anstehenden Urlaub der wohlgetaktete Schlag mit dem Kajakpaddel zur höchsten Maxime, während die andere sich auf ihre Anfänge, die ersten Erinnerungen besinnt.
Als „Tanzende Idioten“ bezeichnet der amerikanische Gegenwartsautor Denis Johnson seine Figuren. Inspiriert von einer seiner Erzählungen werden in Thorsten Lensings neuem Stück Figuren, Dialoge und Motive aus Johnsons Werk zum Ausgangspunkt einer spielerisch-poetischen Reflexion über die menschliche Existenz, die Sehnsucht nach Sinn und Miteinander und die Erfahrungen, die wir schlussendlich alleine machen müssen. Nach der Premiere im Rahmen der Berliner Festspiele ist Tanzende Idioten in der Spielzeit 2026/27 am Schauspiel Stuttgart zu erleben.
Inszenierung: Thorsten Lensing
Mitarbeit Regie: Benjamin Eggers-Domsky*
Bühne: Capaul & Blumenthal architects
Kostüme: Anette Guther, Nuria Heyck
Dramaturgie: Dan Kolber, Thierry Mousset
Dramaturgische Mitarbeit, Regieassistenz: Anne Inken Bickert
Eine Produktion von Thorsten Lensing in Koproduktion mit den Berliner Festspielen, den Wiener Festwochen, dem Schauspiel Stuttgart, Les Théâtres de la Ville Luxembourg, Kampnagel Internationale Kulturfabrik Hamburg, dem Asphalt Festival Düsseldorf, dem Kurtheater Baden und dem Theater im Pumpenhaus Münster.
Mit freundlicher Unterstützung des Hauptstadtkulturfonds Berlin und der Stadt Münster.
ab Klasse 10
Termine
Fr 2.10.2026, 19:30 | Premiere
Sa 3.10.2026, 19:30
Di 3.11.2026, 19:30und weitere Termine
Mi 4.11.2026, 19:30
Do 19.11.2026, 19:30
Fr 20.11.2026, 19:30
So 13.12.2026, 19:30
Mo 14.12.2026, 19:30
Mo 25.1.2027, 19:30
Di 26.1.2027, 19:30
Sa 27.2.2027, 19:30
So 28.2.2027, 18:00
Fr 2.4.2027, 19:30
Sa 3.4.2027, 19:30
Richard, Duke of Gloster, dessen Bruder Edward gerade den Thron bestiegen hat, will selbst König von England werden. Derweil er Edward um seine Macht beneidet, beginnt Richard insgeheim mit Intelligenz, seiner Fähigkeit zur Täuschung und politischer Intrige darauf hin, das Amt zu übernehmen.
Hierfür ermordet er nicht nur seine Verwandten, die in der königlichen Erbfolge vor ihm stehen, sondern ebenso alle, die sich ihm und seinem absoluten Herrschaftsanspruch entgegenstellen. So gelingt es ihm durch meisterhafte Manipulation, Lady Anne, die tief in Trauer versunken ist, zu heiraten. Sie ahnt nicht, dass er der Mörder ihres Mannes ist. Weitere Widersacher seiner Herrschaft verschwinden hinter den Mauern des Towers und kehren nie zurück. Als er endlich auf dem Höhepunkt seiner Macht angelangt ist, versammeln sich jedoch seine Gegner und Gegnerinnen, um ihn endgültig zu Fall zu bringen.
Im Gegensatz zur historischen Biografie von Richard III. überdauerte eine andere Charakterstudie die Nachwelt: Kein Geringerer als William Shakespeare zeigt in seinem frühen Drama (Uraufführung 1593) den zynischen und kaltblütigen Kampf der Adelshäuser York und Lancaster um Englands Thron während der sogenannten Rosenkriege im 15. Jahrhundert. So ist die Figur Richard III. in ihrer Ambivalenz sowohl eine Geschichtsfälschung als auch eine abgrundtief faszinierende Tragödienfigur. Hinter seinem fanatischen Machtanspruch verbirgt sich nicht nur ein ausgeklügeltes Kalkül, sondern auch eine zutiefst verstörte Seele. Als politischer Stratege, raffinierter Verführer, Vergewaltiger und Mörder erbaut er sich ein Herrschaftssystem, das geprägt ist von Machterhalt, Egomanie, Skrupel- und Empathielosigkeit, gepaart mit Größenwahn.
Wie seine Herrschaft und die Faszination des Bösen in unsicheren Zeiten enden werden, ist bekannt. Doch wie steht es um die zeitlose Frage nach unmoralischem Handeln zum Zwecke des Machterhalts und um die Sehnsucht nach autoritären Strategien?
Inszenierung: Andreas Kriegenburg
Bühne: Harald B. Thor
Kostüme: Andrea Schraad
Licht: Felix Dreyer
Dramaturgie: Katja Prussas
ab Klasse 10
Termine
Fr 16.10.2026, 19:30 | Premiere
Sa 17.10.2026, 19:30
Di 20.10.2026, 19:30und weitere Termine
Mo 9.11.2026, 19:30
Mo 16.11.2026, 19:30
Fr 29.1.2027, 19:30
von Hans Fallada
In einer Bühnenfassung von Zino Wey
Premiere: 17.10.2026
Sachlich und nüchtern fasste der Autor Hans Fallada die Handlung seines Romans zusammen: „Ehe und Wehe von Johannes Pinneberg, Angestellter, verliert seine Stellung, bekommt eine Stellung, wird endgültig arbeitslos. Einer von sechs Millionen, ein Garnichts, und was der Garnichts fühlt, denkt und erlebt.“
Der „kleine“ Mann, das ist Pinneberg, der mit seiner Frau Emma, genannt Lämmchen, und dem gemeinsamen Kind mit aller Kraft und doch vergeblich versucht, ein bürgerliches Leben zu führen. Fallada beschreibt den täglichen Überlebenskampf von der Hand in den Mund des frisch verheirateten Paars. Jeder Pfennig muss umgedreht, jeder Schritt und jede Anschaffung genau bedacht werden. Denn die Zeiten sind wüst und prekär: Massenarbeitslosigkeit, die Sorge davor, selbst „abgebaut“ zu werden, „stempeln gehen“ zu müssen, das immerwährende Damoklesschwert des sozialen Abstiegs, Zukunftsangst: Was nun?
1932 erschienen, am Vorabend der nationalsozialistischen Machtergreifung und in den letzten Zügen der krisengeschüttelten Weimarer Republik, traf der Roman einen Nerv und wurde als „Falladas Volksbuch“ zum Welterfolg. Erst 2016, über 80 Jahre später, erschien die vollständige Originalfassung – ein Viertel des Textes war aus verlags- und gesellschaftspolitischen Gründen getilgt worden: Berliner Lokalkolorit, Szenen aus dem rauschhaften Nachtleben der frühen 1930er-Jahre, sexuelle Freizügigkeit und politische Einordnung der Figuren in Nazis oder Kommunist*innen – scharfe Beobachtungen an diesem verhängnisvollen Kipppunkt der deutschen Geschichte sind hier endlich abgebildet.
Zino Wey beleuchtet in seiner Inszenierung die Zeitlosigkeit und Aktualität der Sorgen des „kleinen“ Mannes: Zeitenwende, Wertewandel, Verrohung, Populismus – Parallelen zwischen der Weimarer Zeit und der unsrigen drängen sich auf und die titelgebende Frage stellt sich erneut. Pinneberg und Lämmchen aber haben zumindest einander und geben sich Halt durch alle Krisen hindurch.
Inszenierung / Bühne / Video: Zino Wey
Kostüme: Pascale Martin
Musik: Lukas Huber
Licht: Marc Döbelin
Kamera, Schnitt (Filmdreh): Roman Müller
Mitarbeit Video: Fee-Valerie Böhme
Dramaturgie: Linda Graf
Dramaturgische Beratung: Gwendolyne Melchinger
ab Klasse 10
Termine
Sa 17.10.2026, 19:30 | Premiere
Fr 23.10.2026, 19:30
Sa 24.10.2026, 19:30und weitere Termine
Wie fies kann der Mensch sein? Seit seiner Uraufführung 1782 ergründet Schillers Sturm-und-Drang-Drama diese Kernfrage. Das Werk ist nicht nur eine Studie über Radikalisierungsprozesse, sondern auch über den – auch zurzeit häufig missbrauchten – Begriff der Freiheit: Ist Freiheit überhaupt ohne Gerechtigkeit und Gleichheit vorstellbar? Schillers Figuren diagnostizierten darüber hinaus eine unausweichliche Zeitenwende und sollten recht behalten. Während die jüngere Generation ihre Lebensentwürfe in der solidarischen Gemeinschaft revolutionärer Kreise und Aktionen in den Weiten der Wälder auslebt, verschanzt sich die ältere Generation hinter den selbst errichteten Mauern des zu vererbenden Vermögens. Franz Moor, Rationalist und Menschenfeind, versteht es außerordentlich gut, seinen schwachen Vater Maximilian gegen seinen nach humanistischen Idealen strebenden Bruder Karl aufzuhetzen. Das geht so weit, dass der Vater seinen Augapfel Karl enterbt. Karl wird zum Kopf einer Räuberbande, deren Idealismus jedoch im Laufe der Zeit jedes humanistische Maß verliert. Am Ende obsiegt statt der erhofften gesellschaftlichen Veränderung gegenseitiges Misstrauen. Und jene Kräfte gewinnen, die die Spaltung forcieren. Karls „Handwerk ist Widervergeltung“, das heißt, er will die Ungerechtigkeit in der Welt, die ihm widerfahren ist, ausgleichen. Doch zuvor muss er im Privaten damit beginnen: Sein Bruder treibt ein grausames Spiel mit Amalia, jener Frau, die Karl für seine Mission verließ.
Inszenierung: Stefan Pucher
Bühne: Nina Peller
Kostüme: Annabelle Witt
Musik: Christopher Uhe
Live-Video: Tobias Dusche
Video: Hannes Francke, Ute Schall
Licht: Felix Dreyer
Dramaturgie: Katja Prussas
In deutscher Sprache mit englischen Übertiteln
Dauer: ca. 2:30 Std., eine Pause nach 1:10 Std.
Ab Klasse 8
Termine
So 4.10.2026, 19:30 | Wiederaufnahme
Mo 12.10.2026, 19:30
So 18.10.2026, 18:00und weitere Termine
Sa 31.10.2026, 19:30
Fr 6.11.2026, 19:30
Mo 30.11.2026, 18:00
von Bertolt Brecht (Text) und Kurt Weill (Musik)
Unter Mitarbeit von Elisabeth Hauptmann
Unterweltgröße Macheath, genannt Mackie Messer, verfügt über wahrhaft gute Kontakte zu seinem alten Kriegskameraden und amtierenden Polizeichef Brown. Daher bleiben er und sein Clan trotz zahlreicher Verbrechen im Kessel der Großstadt weiterhin auf freiem Fuß. Auch privat könnte es für den „Gentlemanganoven“ nicht besser laufen. Hals über Kopf hat er sich mit Polly Peachum vermählt. Sie ist nicht nur seine neuste Eroberung, sondern auch die Tochter des legendären Bettlerkönigs Jonathan Jeremiah Peachum, Besitzer der Firma „Bettlers Freund“. Mackie will das traditionelle Geschäftsimperium der neuen Schwiegereltern klammheimlich an sich reißen. Seine sexuelle Freizügigkeit samt Lügenkonstrukt bringen ihn jedoch zu Fall und schlussendlich vor ein Gericht. Kann die Justiz im Gerichtsverfahren Macheaths lustvollem Spiel mit Varianten menschlicher Niedertracht (Korruption, Vetternwirtschaft, Kriegstreibereien, Profitgier, Betrug, Verrat und Mord) Einhalt gebieten? Oder hängen nicht vielmehr alle in der Stadt irgendwie in der Sache mit drin?
Ungezügelte Leidenschaft & True Crime: Die Dreigroschenoper. Mit provozierender, sinnlicher und simpler Kraft glückte dem anarchistischen Trio und wohl ersten Theaterkollektiv des 20. Jahrhunderts Brecht, Hauptmann und Weill 1928 am Theater am Schiffbauerdamm ein Überraschungscoup. Kurt Weill sampelte für seine Komposition u. a. Elemente des Jazz mit Tanz- und Jahrmarktsmusik und erfand musikalische Parodien auf die europäische Opern- und Operettentradition. Weills musikalische Klangfülle und Experimentierfreudigkeit erweiterte Brechts krude und widersprüchliche Geschichte samt seinen sinnlich-lebendigen Typen. Elisabeth Hauptmann wiederum ist es zu verdanken, dass Die Dreigroschenoper ihren Weg auf die Bühne fand.
Inszenierung: Viktor Bodó
Musikalische Leitung: Klaus von Heydenaber
Bühne: Zita Schnábel
Kostüm: Hanna Erös
Choreografie: Eva Duda
Video: Vince Varga
Licht: Jörg Schuchardt
Dramaturgie: Katja Prussas, Anna Veress
Dauer – ca. 2:55 Std, eine Pause nach ca. 1:50 Std
Termine
Do 22.10.2026, 19:30 | Wiederaufnahme
So 25.10.2026, 18:00
Sa 7.11.2026, 19:30und weitere Termine
So 15.11.2026, 15:00
Fr 4.12.2026, 19:30
Fr 18.12.2026, 19:30
Do 31.12.2026, 19:00
Fr 15.1.2027, 19:30
Di 16.2.2027, 19:30
Fr 26.2.2027, 19:30
Mi 10.3.2027, 19:30
von William Shakespeare
Deutsch von Jürgen Gosch und Angela Schanelec
Etwas ist faul im Staate Dänemark. Unlängst ist der alte König verstorben, es heißt, eine Schlange habe ihn gebissen, während er im Garten schlief. Zurück lässt er ein Land im wachsenden Konflikt mit seinem norwegischen Nachbarn, eine Witwe, die ihren Schwager ehelicht, und inmitten all dessen seinen Sohn, den jungen Prinzen Hamlet. Die Nachricht vom Tod seines Vaters reißt ihn aus seinen Studien in Wittenberg und führt ihn zurück an den heimischen Hof von Helsingör. Als man ihm dort zuträgt, der Geist des verstorbenen Königs erscheine Nacht für Nacht auf den Mauern der Burg, sucht er ihn auf, um so die wahren Umstände seines Todes zu erfahren. Von seinem Bruder und Thronfolger Claudius, Hamlets Stiefvater, hinterlistig ermordet, fordert der Geist seinen Sohn zur Rache auf. Innerlich zerrissen, beschließt Hamlet, fortan Wahnsinn vorzutäuschen, um dem Argwohn seiner Familie und des Hofes zu entgehen. Polonius, Vertrauter des neuen Königs Claudius, vermutet zunächst, dass die Liebe zu seiner Tochter Ophelia der Grund für Hamlets Wahn sei. Während Hamlet alles daran setzt, die Schuld seines Stiefvaters zu beweisen, versucht das Königspaar, dem Prinzen nachzustellen. Im Kampf zwischen Aufklärung und Vertuschung überschlagen sich die Ereignisse, und nach und nach verfangen sich die Figuren im tödlichen Netz der Intrige.
Inszenierung: Burkhard C. Kosminski
Bühne: Florian Etti
Kostüme: Ute Lindenberg
Musik: Hans Platzgumer
Kampfchoreografie: Annette Bauer
Video: Sebastian Pircher
Licht: Felix Dreyer
Dramaturgie: Gwendolyne Melchinger
In deutscher Sprache mit englischen Übertiteln
Dauer: ca. 3:00 Std., eine Pause
Ab Klasse 8
Termine
Sa 24.10.2026, 19:30 | Wiederaufnahme
Do 5.11.2026, 19:30
Di 24.11.2026, 19:30
Es beginnt mit einem Verlust. Dem Verlust von Büchern, von vielen, sehr vielen Büchern, einer ganzen Bibliothek. Wie es dazu kam, dass einem Schriftsteller seine ganzen Bücher verloren gingen – davon und von noch viel mehr erzählt Thomas Melle in seinem Roman Die Welt im Rücken. Es ist die Chronik einer bipolaren Erkrankung, das fesselnde und atemberaubende Manifest eines schreibenden Ichs. Melles Roman ist eine literarische Wucht, poetisch, hochkomisch, dramatisch, präzise.
Das Leben als Rausch, als Party, als Superstar mit Höhenflügen, Allmachtfantasien und dem Absturz ins Bodenlose, in die Stille, in die Leere, und das Nichts … Dann, ganz langsam, ein leiser, zaghafter Neubeginn. Die Manie wechselt in die Depression, in eine Phase der Normalität und wieder in die Manie … Auch das Schreiben hält nicht inne – es versucht, das, was passiert, schonungslos in Sprache festzuhalten, des Ungeheuerlichen habhaft zu werden, es in ein Verhältnis zu setzen. Thomas Melle erzählt von der Versehrtheit eines Ichs, das sich zwischen Selbstkonstituierung, Erinnerung und Auslöschung nirgendwo einrichten kann. Da darf auch Arno Schmidt nicht fehlen: „Die Welt der Kunst und Fantasie ist die wahre, the rest is a nightmare.“
Inszenierung: Lucia Bihler
Bühne: Paula Wellmann
Kostüme: Victoria Behr
Musik: Sixtus Preiss
Choreografie: Björn Leese
Outside Eye: Mats Süthoff
Licht: Felix Dreyer
Dramaturgie: Gwendolyne Melchinger
In deutscher Sprache mit englischen Übertiteln
Dauer: ca. 1:45 Std., keine Pause
Ab Klasse 9
Zwischen Dezember 1963 und August 1965 fand in Frankfurt am Main der erste Auschwitz-Prozess statt, in dem die für das Funktionieren der Vernichtungsmaschinerie Verantwortlichen vor Gericht standen. Die Konfrontation mit den Frankfurter Auschwitz-Prozessen war für das Land und die Politik in den Sechzigern prägend. Peter Weiss hat in seinem dokumentarischen Theaterstück diesen Prozess dargestellt und zu einem „Oratorium“ verdichtet. In elf Gesängen treten Zeug*innen, Angeklagte, Richter und Verteidiger auf, die das, was in Auschwitz geschah, schildern. Täter und Opfer werden miteinander konfrontiert, und auf diese Weise wird, gerade durch den Verzicht auf die Rekonstruktion individueller Erlebnisse und die Betonung der funktionalen Aspekte, das Grauen dieser Tötungsfabrik deutlich. Berichtet wird ebenso von der totalen Entmenschlichung im Lager und dem Versuch zu überleben wie von dem Verschweigen, Leugnen und Verdrängen der Täter. Knapp zwei Jahre dauerte der erste Frankfurter Auschwitz-Prozess, bei dem Deutsche über Deutsche zu Gericht saßen. Peter Weiss nahm als Zuschauer an dem Prozess teil. Sein Theaterstück basiert auf den Protokollen des Prozesses. Die Ermittlung ist eines der erfolgreichsten deutschen Theaterstücke der Nachkriegszeit. 1965 wurde der Theatertext gleichzeitig an 15 west- und ostdeutschen Theatern sowie von der Royal Shakespeare Company in London uraufgeführt.
Die Ermittlung wird im Landtag und an weiteren Orten im Stadtraum gezeigt.
Inszenierung: Burkhard C. Kosminski
Kostüme: Ute Lindenberg
Musik: Hans Platzgumer
Licht: Sebastian Isbert
Dramaturgie: Gwendolyne Melchinger
Ab Klasse 10
Dauer: ca. 2:05 Std., keine Pause
Termine
Do 29.10.2026, 20:00
Fr 30.10.2026, 20:00
So 8.11.2026, 18:00und weitere Termine
Ehemals Königliche Hoftheater, 1909 bis 1912 von Max Littmann als Doppeltheater mit Opern- und Schauspielhaus erbaut. 1924 wurden die Gebäude unter Denkmalschutz gestellt. Erhalten blieb nach dem II. Weltkrieg nur das mit klassizistischen Säulen geschmückte Große Haus.
Im Schauspielhaus finden Veranstaltungen des Schauspiel Stuttgart und des Stuttgarter Balletts statt. Nach Diskussionen über eine Wiedererrichtung begann man 1959 nach der Kriegszerstörung an alter Stelle mit einem Neubau nach Entwürfen von Hans Volkart. 1962 konnte das Schauspiel den Spielbetrieb im Kleinen Haus aufnehmen. 2002 wurde der Bau in Schauspielhaus umbenannt. Das Schauspielhaus wurde von 2010 bis 2013 grundständig saniert und im September 2013 wiedereröffnet.