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Deutsches Theater Berlin

Das Deutsche Theater in Berlin zählt zu den bedeutendsten Sprechtheaterbühnen im deutschsprachigen Raum. Hinter seiner eleganten klassizistischen Fassade beherbergt das 1849 gegründete Theater in der Schumannstraße heute drei Bühnen: Das Große Haus mit ca. 600 Plätzen, die Kammerspiele mit ca. 230 Plätzen sowie die 2006 neu eröffnete Box - eine kompakte Blackbox im Foyer der Kammerspiele mit 80 Zuschauerplätzen. Auf dem Spielplan stehen zum einen Klassiker und moderne Klassiker von Autoren wie Shakespeare, Schiller, Tschechow, Sartre, Ibsen und Goethe, zum anderen werden Stücke zeitgenössischer Autoren wie Lukas Bärfuß, Dea Loher, Wolfram Lotz, Roland Schimmelpfennig, Ferdinand Schmalz und Nis-Momme Stockmann gezeigt und zur Uraufführung gebracht. Einmal im Jahr finden am Deutschen Theater die Autorentheatertage statt, ein 14-tägiges Festival der zeitgenössischen Dramatik.

Kontakt

Deutsches Theater Berlin
Schumannstraße 13a
D-10117 Berlin

Telefon: +49 (0)30 28441-0
E-Mail: service@deutschestheater.de

Bewertungschronik

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Schauspiel

Automatenbüfett

von Anna Gmeyner

Premiere: 26.3.2026

Frau Adam, eine geschäftstüchtige Wirtin, betreibt ein Automatenbüfett. Trotz aller Modernität – Speisen, Getränke und Musik kommen per Knopfdruck – bedeutet das: Brötchen schmieren, Bier ausschenken, von morgens bis mitternachts auf den Beinen sein. Ihr Mann Leopold, ein Träumer, ist ihr dabei keine große Hilfe. Statt im Geschäft zu helfen, sitzt er am Angelteich und ersinnt eine theoretisch gute Lösung, wie man die notleidende Bevölkerung mit preiswertem Eiweiß in Form von Zuchtkarpfen versorgen könnte.

Eines Tages zieht er beim Angeln eine junge Selbstmörderin aus dem Wasser, nimmt sie mit nachhause und die Dinge geraten in Bewegung. Die junge Frau, Eva, hilft als Kellnerin aus und entpuppt sich nicht nur als verkaufssteigernder Magnet im Automatenbüfett, was der Chefin gleichermaßen Grund zur Freude und Dorn im Auge ist, sondern hilft auch dem Sozial-Visionär, seine Geschäftsidee den Honoratioren der Stadt nahezubringen, die zunächst ablehnend, dann aber zunehmend interessiert sind.

Die österreichische Autorin Anna Gmeyner schrieb Automatenbüfett 1932, in einer Zeit des Epochenbruchs: „Europa ist ein Pulverfass, in das jeden Moment der zündende Funke fallen kann”, heißt es im Stück. Das Stück ist bei aller Brisanz des historischen Hintergrunds ein liebevolles Porträt der sogenannten kleinen (und auch der ganz armen) Leute, die sich mit Fleiß, Mutterwitz und Schläue durchwursteln und trotzdem weder Humor noch Zuversicht verlieren. Am Ende geht natürlich alles schief, aber auf eines ist Verlass: Lust und Liebe werden bleiben.

Regie: Jan Bosse
Bühne: Stéphane Laimé
Kostüme: Kathrin Plath
Musik: Arno Kraehahn
Songs: Carolina Bigge
Licht: Robert Grauel
Dramaturgie: Karla Mäder

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Schauspiel

Selbst Schuld! - Die Wildcard

Spielklub von Tillmann Drews und Kajetan Popanda

Premiere: 27.3.2026

Wenn du nur wollen und hart genug arbeiten würdest, politischer, aktivistischer, intelligenter, sozialer wärst… Wenn du doch nur! Schuld an der Trennung deiner Eltern, am Plastik im Meer, an der eigenen Erschöpfung, an der Stimmung der anderen. Ob Politiker:innen, Influencer:innen oder die Stimme im eigenen Kopf – Alle scheinen sich einig: Du bist selbst schuld.

Im Spielklub SELBST SCHULD! stürzen sich zehn junge Menschen in die Dunkelkammer ihrer Sünden. Wo wird Schuld zur lähmenden Selbstverurteilung und wo zur durchschlagenden Kraft der Veränderung? Und überhaupt... die Lust am Verbotenen kitzelt uns allen in den Fingerspitzen. So oder so: Wir erheben uns über die Ohnmacht des Schuldig-Seins – auch, wenn es weh tut.

MIT Viviejen Bauer, Cheyenne Bruns, Luca Dombrowski, Lilly Fischer, Constantin Fruth, Amrei Hildebrand, Finja Kaffanke, Ida Nitsch, Karim Oukail, Maria Antonia Schulze

Entstanden im Rahmen der Wildcard , dem Open Call für junge Theatermacher:innen, ausgeschrieben vom Jugendbeirat des DT Jung*.

Künstlerische Leitung: Tillmann Drews, Kajetan Popanda
Ausstattung: Katharina Achterkamp, Filippo Cecconi
Regieassistenz: Nina Weidemann

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Schauspiel

Ach, Mom!

Eine nichteuklidische Seifenoper von Nico Sauer

Premiere: 17.4.2026

Es beginnt in einem Wohnzimmer, wie in jeder Sitcom. Und endet im Delirium.

Ach, Mom! ist eine choreografierte Multicam-Inszenierung für vier Schauspieler:innen, bei der Techniken aus der musikalischen Komposition auf das Vokabular des Schauspiels übertragen werden. Komplexe Erzählmuster entstehen nicht durch Handlung, sondern durch rhythmische Überlagerung, Phasenverschiebung und fein getimte Körperinteraktionen. Gesten werden von ihren Funktionen entkoppelt, Objekte verlieren ihre Subjekte, Stimmen schweben zwischen Lip-Sync und realer Sprache. Die Kamera übernimmt nicht länger die Rolle des neutralen Beobachters, sondern emanzipiert sich – zoomt, verpasst, insistiert. Was als Sitcom beginnt, endet im Rausch einer neuen, grotesken Theatersprache.

Ach, Mom! ist keine Erzählung über Familie – sondern eine Partitur über ihre Zeichen. Ein Delirium aus Rhythmen, Blicken, Routinen und Brüchen. Eine Sitcom, die sich selbst zum Explodieren bringt, um aus ihren Trümmern ein neues Modell performativer Erzählung zu bauen.

Der Komponist, Multimediakünstler und Regisseur Nico Sauer untersucht in seinen Projekten zwischen Musiktheater, bildender Kunst und Performance die Grenzen musikalischer Komposition und theatraler Genres und konnte mit seinem Projektvorhaben Ach, Mom! die Jury des Open Calls überzeugen.

„Ich bin es gewohnt durch's Raster zu fallen.” Nico Sauer spricht im Interview über Verblüffung, das Wandeln zwischen den Sparten und das Loslassen lernen.

Regie: Nico Sauer
Ausstattung: Maria Magdalena Emmerig
Dramaturgie: Johann Otten

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Schauspiel

Bookpink - New Arrivals

von Caren Jeß

Uraufführung: 19.4.2026

Die Autorin Caren Jeß veröffentlichte 2019 ihr dramatisches Kompendium Bookpink, eine Sammlung von sieben Miniaturen über menschliche Abgründe, soziale Gefüge und gesellschaftliche Debatten, deren Protagonisten Vögel waren. Nach dem ATT-Atelier 2024 wächst das Bookpink-Universum weiter – Caren Jeß stellt die Neuankömmlinge in der Vogelwelt, die unserer allzu ähnlich ist, vor: voll Machtfantasien, fragilen Ordnungen und dem seltsamen Verschwinden von Fantasie.

Da ist der Adler, der sein Küken verachtet. Eine Mutter ohne weibliche Form, aber mit strengem Weltbild: Stärke zählt, Schwäche schadet dem Ruf. Also ab mit dem kleinen, „missratenen” Sohn ins Reservat für auffällige Arten. Neue Eier, neue Hoffnung, alte Härte.

Dann Frau Pétain, ein quirliges Kolibriweibchen, das sich sterilisieren lassen will, um ihr Leben selbst zu bestimmen. Doch der Eingriff misslingt – und die ärztliche Zaunkönigin findet das sogar ganz richtig so.

Und Nikki die Kanarie: leuchtend gelb, gefangen in einer Voliere, die eher wie ein hübscher Käfig als ein Zuhause wirkt. Ihr Mensch Cord liegt im Sterben, das Zimmer ein Kaleidoskop aus Glas und Licht. Am Fenster wartet der Zilpzalp auf den Moment, in dem sich die Tür öffnet und Nikki vielleicht wieder singt.

Bookpink: New Arrivals ist ein Abend über Macht, Fürsorge, Fantasie – und darüber, was passiert, wenn man Vögel zu ernst nimmt. Oder genau ernst genug.

Regie: Jorinde Dröse
Bühne: Kathrin Frosch
Kostüme: Juliane Kalkowski
Musik: Lars Wittershagen
Licht: Thomas Langguth
Dramaturgie: Jasmin Maghames

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Schauspiel

Die Physiker

Eine Komödie in zwei Akten
von Friedrich Dürrenmatt

Premiere: 24.4.2026

Stellen Sie sich vor, Sie entdecken die Weltformel. Eine Erkenntnis, die in den falschen Händen den Untergang der Menschheit bedeuten könnte. Was tun? Verkünden? Verbergen? Oder den Wahnsinn vortäuschen, um die Welt zu retten?

Der Physiker Möbius entscheidet sich für den inszenierten Wahnsinn. Um diese Formel vor Missbrauch zu schützen, zieht er sich in ein Sanatorium – unter der Leitung von Dr. Mathilde von Zahnd – zurück. Dort kommt es zu zwei mysteriösen Morden an Krankenschwestern. Die Täter scheinen schnell gefunden. Doch bald zeigt sich: Nichts ist, wie es scheint. Dürrenmatt schrieb sein Stück im Schatten des Kalten Krieges und der atomaren Bedrohung und doch ist das Stück heute aktueller denn je. Die „Weltformel“ bleibt Symbol für jene wissenschaftlichen Erkenntnisse, deren Folgen sich nicht mehr kontrollieren lassen. In einer Zeit, in der Wissen Macht bedeutet – und Macht selten moralisch ist – stellt das Stück die unbequeme Frage: Wer trägt Verantwortung für das, was denkbar ist? Mit Werken wie Romulus der Große, Der Besuch der alten Dame und Die Physiker wurde Dürrenmatt zu einem der prägenden Dramatiker des 20. Jahrhunderts.

Regisseur Bastian Kraft, der am Deutschen Theater Berlin bereits Max Frischs Biografie: Ein Spiel, George Bernard Shaws Pygmalion sowie Tod eines Handlungs-reisenden (2017), Der Besuch der alten Dame (2014) inszenierte, widmet sich dem Dürrenmatt-Klassiker, mit feinem Gespür für das Tragikomische und einem präzisen Blick auf die Abgründe unter der Oberfläche. Die Handlung entfaltet sich mit der Spannung eines Kriminalstücks; jede Szene ein Auslöser für die nächste, wie in einer Kettenreaktion. Im Zentrum steht die zentrale Frage: Ist eine Katastrophe noch aufzuhalten, wenn sie erst einmal als Möglichkeit in den Raum gestellt wurde? Und so wird Dürrenmatts Stück selbst zur dramatischen Kettenreaktion, in der das Unvermeidliche unaufhaltsam Form annimmt.

Regie: Bastian Kraft
Bühne: Peter Baur
Kostüm: Jelena Miletić
Musik: Björn SC Deigner
Video: Jonas Link
Licht: Cornelia Gloth
Dramaturgie: Christopher-Fares Köhler

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Schauspiel

Lonely Hearts

Stückentwicklung von Anja M. Wohlfahrt und Ensemble

Jede dritte Person fühlt sich aktuell in Deutschland teilweise einsam, und sogar fast jede:r Zweite zwischen 19 und 29 Jahren gibt an, manchmal oder häufig einsam zu sein. Mit Einsamkeit ist scheinbar niemand allein. Kann man sich aus der Einsamkeit freikaufen? Wer verdient damit Geld? Oder: Wer ist einsam, weil gar kein Geld da ist, für Eintrittskarten, Drinks an der Bar oder den Gruppenurlaub? Was hat Einsamkeit mit heutigen Kommunikationsgewohnheiten zu tun? Und woher kommt eigentlich das Gefühl, Einsamkeit sei ein Tabu?

Die Regisseurin Anja M. Wohlfahrt knöpft sich diese Fragen in einem partizipativen Theaterprojekt von DT Jung* vor, in dem sechs berufliche und private Einsamkeits-Spezialist:innen aus Berlin auf der Bühne stehen werden und sich zu den Wurzeln und dem Ausweg aus der Einsamkeit graben.

MIT Clementina Colombina Salvino, Felix von Treuenfels, Laura Grimmer, Ute Mirea, Leon Welke, Rüya Yatkin

Regie: Anja M. Wohlfahrt
Bühne, Kostüme: Ramona Hufler
Musik: Grilli Pollheimer
Dramaturgie: Lilly Busch
Theaterpädagogik: Timo Staaks

ab Klasse 9

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© Eike Walkenhorst
Schauspiel

Spirit And The Dust

von Noah Haidle aus dem Englischen übersetzt von Barbara Christ

Hope Foster ist erfolgreiche Immobilienmaklerin. Ihr Geschäft ist es, Menschen ein Zuhause und einen Ort der Geborgenheit zu vermitteln. Vor Jahren hat sie in einem unachtsamen Moment ihr Kind beim Spielen verloren. Seitdem ist ihr Leben überschattet von den tragischen Fügungen des Schicksals und der Frage nach Schuld.

Bei einer Wohnungsbesichtigung lernt sie das junge Paar Margaret und Will kennen. Mit Margaret freundet sie sich an, die bald schon die Weichen für ihr zukünftiges Leben anders stellt. Kurz darauf lernt sie Wills Vater kennen, einen ausrangierten Lateinlehrer, in dem Hope Halt und Trost findet. Auch sein Leben ist gezeichnet von Verlust. Hinzu kommen der Sicherheitsberater Jerry und die Nachbarin Donna. Allesamt Gestrandete und vom Leben geprägte Zeitgenossen, die zu einer Art Schicksalsgemeinschaft in unbehauster Zeit zusammenfinden.

Gibt es Hoffnung in Zeiten der großen Lebenskrisen? Gibt es ein Leben nach dem Schiffbruch? Und kann Tost Wunden heilen?

Noah Haidle, preisgekrönter Dramatiker und Drehbuchautor, dessen Werke am Broadway, in den USA und weltweit aufgeführt werden, hat ein großes Stück über das, was man Leben nennt entworfen: über Freundschaft, späte Liebe und tiefen Schmerz.

Regisseurin Anna Bergmann inszeniert nach The Homemaker und Birthday Candle zum dritten Mal eine Uraufführung von Noah Haidle am DT.

Regie: Anna Bergmann
Bühne: Kathrin Frosch
Kostüme: Lane Schäfer
Musik: Hannes Gwisdek
Video: Sebastian Pircher
Licht: Cornelia Gloth
Dramaturgie: Daniel Richter

Dauer: 2 Stunden 5 Minuten, keine Pause

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Schauspiel

Ismene, Schwester von

von Lot Vekemans

Dreitausend Jahre hat niemand mehr an sie gedacht, war ihr Leben vergessen ebenso wie ihr Tod: Unerlöst befindet sich Ismene in einem Zwischenreich, nach einem Dasein ohne eigenen Inhalt und einem Ableben ohne Erinnerung. Alles an ihr scheint fremdbestimmt – durch die antiken Helden ihrer Familie, den Vater Ödipus, die streitbaren Brüder Eteokles und Polyneikes, besonders aber durch ihre Schwester Antigone, die gegen die Tyrannei ihres Onkels Kreon beispielhaft aufbegehrt, ein heroischer Weg, den Insmene nicht mitgeht. – Jetzt, dreitausend Jahre später, hat die niederländische Autorin Lot Vekemans diese Figur in der Vergessenheit aufgesucht und sie aus dem Schatten treten lassen. Nach einer Ewigkeit des Schweigens stellt sich Ismene ihrer Geschichte.

Dass Susanne Wolff nach ihrer fulminanten Darstellung des Kreon in Ödipus Stadt ebenfalls in der Regie von Stephan Kimmig nun ausgerechnet diese Rolle spielt, ist mehr als nur eine Ironie des Theaterschicksals. Kreon ist der Mann, der Ismenes halbe Familie umbringt, ihren Vater Ödipus in die tödliche Verbannung schickt und Antigone zum Tod verurteilt. Nach dem großen Antigone-Drama kommt es in Lot Vekemans Fortschreibung des Mythos jedoch nicht zu einer erbitterten Auseinandersetzung zwischen Kreon und Ismene. Im Gegenteil. Beide leben in stiller Abgeschiedenheit weiter und als Kreon Jahre später schwer erkrankt, pflegt sie ihn geduldig bis zu seinem Tod, und so bilden sie, die Überlebenden des Mythos, im Geiste eine Art postapokalyptisches Paar.

Übersetzung: Eva Pieper
Regie: Stephan Kimmig
Bühne und Kostüme: Anne Ehrlich
Dramaturgie: John von Düffel

Dauer: 1 Stunde, keine Pause

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Schauspiel

Die Gehaltserhöhung

von Georges Perec
Aus dem Französischen von Eugen Helmlé

In Georges Perecs Stück nimmt sich ein namenloser Angestellter vor, einen besseren Lohn zu verhandeln. Doch trotz anfänglicher Entschlossenheit arbeitet er sich äußerst umständlich zu seinem Ziel vor: In unzähligen Variationen wird der Weg zum Büro des Chefs durchgespielt, werden wie in einer komplexen mathematischen Aufgabe alle Eventualitäten abgewogen, die entlang der Firmenflure das Vorhaben durchkreuzen könnten. Ist der Abteilungsleiter überhaupt in seinem Büro? Hat er Zeit? Ja? Nein? Was dann? Ist die Stimmung günstig? Hat er familiäre Sorgen? Nimmt die Sekretärin das Anliegen entgegen?

In einem schier unendlichen Anlaufversuch werden in Die Gehaltserhöhung auf aberwitzige Weise alle erdenklichen Hürden durchexerziert, die in einem starren Personal- und Hierarchiegefüge den Zugang zu einer angemessene Entlohnung verhindern: von der eigenen Angst vor der Laune des Chefs bis hin zu unüberwindlich scheinenden Verwaltungsproblemen. Und so schiebt der Angestellte sein Vorhaben lieber immer wieder auf, bis ein besserer Tag, eine glücklichere Gelegenheit kommt, um seine Bitte zu platzieren.

Der französische Schriftsteller Georges Perec war Teil der Gruppe Oulipo (kurz für L‘Ouvroir de littérature potentielle, zu Deutsch: Werkstatt für potentielle Literatur), zu der auch Autoren wie Raymond Queneau und Italo Calvino gehörten. Oulipo verfolgte in den 1960er Jahren den Ansatz, durch spielerische Formzwänge die Sprache zu erweitern. Auch Perec gab sich für seine Texte strenge Schreibregeln vor: Mit Anton Voyls Fortgang (1969) etwa verfasste er einen Roman, in dem er kein Wort verwendete, das den Buchstaben E enthält.

Die Gehaltserhöhung ist ein hochrhythmisches Stück über Arbeit und Entfremdung, über Ermüdung und das Altern. Es ist ein lustvolles, absurdes Sprachspiel, das aktuelle Fragen in einer sich stetig wandelnden Berufswelt berührt: Wie viel ist die eigene Arbeit wert? Welche Jobs sind sinnstiftend, welche überflüssig, welche unsichtbar gemacht?

Regie: Anita Vulesica
Bühne: Henrike Engel
Kostüme: Janina Brinkmann
Choreografie: Mirjam Klebel
Musik: Ingo Günther
Licht: Kristina Jedelsky
Dramaturgie: Lilly Busch

Dauer: 1 Stunde 40 Minuten, keine Pause

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© Elke Walkenhorst
Schauspiel

Die Räuber. Der Ort der Geschichte ist Deutschland

ein Schauspiel von Friedrich Schiller

Die Welt ist aus den Fugen. Nicht nur, dass die Vorboten der französischen Revolution die Gesellschaft durch Klassenkämpfe und Gewalt erschüttern, auch die familiäre Ordnung des alten Grafen von Moor droht zu zerbersten. Franz, der zweitgeborene Sohn, fühlt sich um die väterliche Gunst betrogen und will Rache nehmen. Er ersinnt eine Intrige gegen den älteren, begünstigten Bruder Karl, woraufhin jener vom Vater verstoßen wird. Gekränkt von der Zurückweisung des Vaters schließt sich Karl einer Bande von Räubern an, um gegen die Ungerechtigkeit in der Gesellschaft zu kämpfen. Während sich Karl für die Freiheit des Einzelnen und die Emanzipation vom tyrannischen Staat einsetzt, offenbart Franz die dunklen Seiten des Machtstrebens. Die Situation gerät außer Kontrolle, der Kampf um individuelle Freiheit wird zum Zündstoff eines schonungslosen Zerstörungswerks. Hass, Selbstbezogenheit und entfesselte Gewalt greifen um sich.

Als Schillers Schauspiel Die Räuber am 13. Januar 1782 am Nationaltheater Mannheim uraufgeführt wurde, reagierte das Publikum geradezu elektrisiert. Schillers neuer Bühnenton wirkte rasant, wortgewaltig und respektlos. „Das Theater glich einem Irrenhause, rollende Augen, geballte Fäuste, stampfende Füße, heisere Aufschreie im Zuschauerraum! Fremde Menschen fielen einander schluchzend in die Arme. Frauen wankten, einer Ohnmacht nahe, zur Thüre. Es war eine allgemeine Auflösung wie im Chaos, aus dessen Nebeln eine neue Schöpfung hervorbricht!”

Am Deutschen Theater spürte die Regisseurin Claudia Bossard bereits in ihrer gefeierten Uraufführung von Rainald Goetz‘ Baracke dem Zusammenhang von Familie und Gewalt im bürgerlichen Milieu nach. Indem sie Schillers berühmten Klassiker als mentalitätsgeschichtliches Zeitdokument liest, setzt sie ihre Auseinandersetzung mit der deutschen bürgerlichen Gesellschaft fort und ergründet das Zusammenspiel von Kunst, Ethik und Politik im Terror der Festung Familie.

Regie: Claudia Bossard
Bühne: Elisabeth Weiß
Kostüm: Andy Besuch
Musik: Annalena Fröhlich
Licht: Cornelia Gloth
Dramaturgie: Daniel Richter

Dauer: 2 Stunden, keine Pause

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Schauspiel

Der erste fiese Typ

von Miranda July aus dem Englischen von Stefanie Jacobs

Cheryl ist eine aufgeräumte Person. Denkt sie zumindest über sich selbst: Schließlich hat sie dank ihrer selbsterfundenen Methode zur Alltagsorganisation (keine unnötigen Gänge im Haus, Geschirrverzicht durch Verzehr direkt aus Topf und Pfanne, Bücherlesen am Regal statt Chaos in der Wohnung) ihr Leben voll im Griff. Doch die Obsession zur Selbstkontrolle kann nicht über die emotionale Leere in ihrem Leben hinwegtäuschen, wie sie sich anfühlt, die Liebe, das weiß sie auch mit Anfang vierzig noch immer nicht so richtig. In ihrer Fantasie führt sie zwar eine hocherotische Beziehung zu Philipp, einem Vorstandsmitglied der Firma, in der sie arbeitet (dort werden Selbstverteidigungsvideos für Frauen vertrieben), doch dieser alte Sack ist seinerseits verknallt in eine viel zu junge Frau und fragt für diese Liebe ausgerechnet bei Cheryl mit obszönen SMS um Erlaubnis. Da ist es verständlicherweise ein nahezu seismischer Schock, als plötzlich Clee bei ihr einzieht, eine Frau halb so jung wie Cheryl, mit langen, blonden Haaren, stinkenden Füßen und einer, gelinde gesagt, recht unverstellten Art. Erst macht sie sich nur auf dem Sofa breit, wenig später stellt sie Cheryls gesamtes Leben in Frage: Ist es möglich, dass sie sich etwa in diese Frau verliebt hat?

Regie: Sarah Kurze
Bühne: Diana Berndt
Kostüme: Katharina Achterkamp
Musik: Marcel Braun, Samuel Wiese
Licht: Kristina Jedelsky
Dramaturgie: Johann Otten

Dauer: 1 Stunde 45 Minuten, keine Pause

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Schauspiel

Jugend ohne Gott

nach dem Roman von Ödön Horváth

„Was für eine Generation wird das sein? Eine harte oder nur eine rohe?”

In einer Welt, die von totalitärer Ideologie und moralischer Kälte geprägt ist, erzählt Ödön von Horváths Roman Jugend ohne Gott (1937) eine beklemmende Geschichte über Schuld, Verantwortung und den Verlust von Werten. Ein Lehrer gerät in einen Konflikt zwischen seiner eigenen moralischen Haltung und den gesellschaftlichen Erwartungen seiner Zeit. Als er sich weigert, die rassistischen und menschenverachtenden Ansichten seiner Schüler zu akzeptieren, wird er zunehmend isoliert. Während eines Zeltlagers, das der militärischen Erziehung der Jugendlichen dient, spitzen sich die Ereignisse zu: Ein Mord geschieht, und der Lehrer wird ungewollt zum Mitwisser in einem Netz aus Verrat, Misstrauen und Schuld. In seiner Suche nach Wahrheit und moralischem Handeln wird er mit der Frage konfrontiert, wie man sich in einer Welt voller Unmenschlichkeit behaupten kann – und was es bedeutet, Verantwortung für die eigene Mitwirkung an einem Unrecht zu übernehmen.

Jugend ohne Gott ist eine zeitlose Parabel über die Manipulierbarkeit von Menschen und die Notwendigkeit von Zivilcourage. Horváths Werk bleibt erschreckend aktuell und stellt uns vor die drängende Frage: Was passiert, wenn Gesellschaften ihre Werte aufgeben und moralisches Handeln zum Risiko wird?

Regie: Emel Aydoğdu
Bühne: Eva Lochner
Kostüme: Louise-Fee Nitschke
Video: Tama Ruß
Licht: Marco Scherle
Dramaturgie: Jasmin Maghames, Karla Mäder

empfohlen ab Klasse 9

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Schauspiel

Hinkemann

von Ernst Toller

Der ehemalige Soldat Eugen Hinkemann kehrt versehrt aus dem Krieg zurück: Eine Kriegsverletzung hat ihn sein Genital gekostet, und damit auch sein Selbstwertgefühl und seine Stellung in der Gesellschaft. Er kämpft nicht nur mit der Ablehnung seiner Umwelt, sondern auch mit der Verzweiflung seiner Ehe und der eigenen inneren Leere. Als er sich schließlich als Attraktion auf einem Jahrmarkt verdingen muss, wo er rohes Fleisch mit den Zähnen zerreißt, wird sein persönliches Schicksal zur bitteren Anklage gegen eine Gesellschaft, die ihre Helden verrät und ihre Menschlichkeit verliert.

Stärke und Tapferkeit, Rationalität und Disziplin, Arbeit und Karriere. Diese klassischen männlichen Attribute galten lange als das Bild eines Mannes. In der Versorgerrolle der Familie und geprägt von Patriotismus und Ehrenhaftigkeit war für den Mann im traditionellen Rollenverständnis wenig Raum für Sensibilität oder Schwäche. Im Nachgang des Ersten Weltkriegs gerieten alte Geschlechterrollen ins Wanken; Frauen hatten in der Kriegszeit verstärkt Erwerbsarbeit übernommen und der Verlust körperlicher Funktionen, wie bei Kriegsverletzungen, bedeuteten häufig auch den Verlust männlicher Identität. Ernst Toller schrieb mit seiner Tragödie über eine Zeit, in der die Kontraste zwischen traditionellem Rollenverständnis und neuen sozialen Herausforderungen zu einem Übergangszeitraum führten, in dem die Definition von Männlichkeit langsam begann, sich zu verändern – ein Prozess, der Jahrzehnte andauern sollte.

Regie: Anne Lenk
Bühne: Judith Oswald
Kostüm: Daniela Selig
Musik: Johannes Hofmann
Video: Jonas Link
Licht: Cornelia Gloth
Dramaturgie: Jasmin Maghames

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Schauspiel

Der Liebling

von Svenja Viola Bungarten

Die gigantischen Konzerne Never und Immer ringen um die Monopolstellung auf dem Markt und um die Erfindung des nächsten innovativen Frauenhygieneartikels. Die CEOs Franka und Bettina wollen die Firma der jeweils anderen aufkaufen und sich gegenseitig an den Kragen. Ihre Kinder buhlen um das Erbe und um die Zuneigung ihrer Mütter, während deren Vertraute, Beraterinnen und Praktikantinnen eigene Karrierechancen wittern. Vielschichtige Intrigen und Affären entspinnen sich, genauso wie unerwartete Allianzen.

Inspiriert von popkulturellen Referenzen wie den Filmen The Favourite, Der Teufel trägt Prada oder der Serie Succession untersucht die Dramatikerin Svenja Viola Bungarten Spielarten von Macht und Solidarität unter Frauen. Was sind die Kosten von Erfolg? Auf welche Weisen arbeiten Frauen am Patriarchat mit? Was macht Macht mit Feminismus, und welche Macht braucht Feminismus?

Auf die Bühne gebracht wird der Text in der Regie von Anita Vulesica, die sich in der Spielzeit 2023/24 bereits mit der Inszenierung von Georges Perecs Die Gehaltserhöhung am Deutschen Theater auf tiefgründige und zugleich irrwitzige Weise mit dem Themenkomplex von Arbeit und Lohn befasst hat.

Regie: Anita Vulesica
Bühne: Henrike Engel
Kostüme: Janina Brinkmann
Musik: Carolina Bigge
Choreografie: Mirjam Klebel
Video: Phillip Hohenwarter
Licht: Kristina Jedelsky
Dramaturgie: Lilly Busch

Dauer: 2 Stunden, keine Pause

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Schauspiel

Die Marquise von O. und –

nach der Novelle von Heinrich von Kleist

Es ist vielleicht der berühmteste Gedankenstrich der Weltliteratur: Mitten in einem nüchtern erzählten Satz über einen Kriegsüberfall heißt es in Heinrich von Kleists Novelle Die Marquise von O. :
„––, dass sie, ohne es zu wissen, in andere Umstände gekommen sei.”
Ein abrupter Schnitt – dort, wo eigentlich das Entscheidende stehen müsste. Statt Klarheit: Leerstelle.

Die Handlung beginnt in einer norditalienischen Festung. Während russische Truppen die Stadt stürmen, gerät die Marquise von O., eine junge, verwitwete Mutter, in höchste Gefahr – bis ein Offizier, Graf F., sie scheinbar heldenhaft rettet. Wenige Tage später verschwindet er. Alles scheint überstanden. Doch Wochen danach erkennt die Marquise entsetzt: Sie ist schwanger. Ohne Erinnerung. Ohne Einwilligung. Und ohne jemanden, der ihr glaubt. Ihr Vater verstößt sie, die Mutter schweigt. Was wie ein medizinisches Wunder erscheinen mag, wird zum sozialen Todesurteil. Die Marquise wählt den einzigen Ausweg, der ihr bleibt: den Schritt in die Öffentlichkeit. Per Zeitungsanzeige bittet sie den unbekannten Vater, sich zu melden. Die Antwort folgt prompt – es ist der Retter selbst. Der Mann, der sie im Moment der Ohnmacht missbraucht hat, bittet nun um ihre Hand. Was also tun, wenn Sprache versagt? Wenn Recht, Moral und Logik kollabieren?

Der berühmte Gedankenstrich markiert nicht nur einen erzählerischen Bruch, sondern auch einen kulturellen. Die Vergewaltigung wird nicht ausgesprochen, sondern ausgeklammert. Das, was geschehen ist, bleibt unausgesprochen, nur angedeutet – und genau darin liegt die verstörende Kraft des Textes. Kleist zeigt, wie sexualisierte Gewalt an Frauen sprachlich wie strukturell unsichtbar gemacht wird. Die Leerstelle im Satz ist kein literarisches Ornament, sondern ein Symptom: Sie zeigt, wo Sprache versagt – und wie tief die Gewalt reicht, wenn selbst das Erzählen daran scheitert.

Regie: Ildikó Gáspár
Bühne und Kostüm: Lili Izsák
Musik: Flóra Lili Matisz
Video: András Juhász
Licht: Cornelia Gloth
Dramaturgie: Jasmin Maghames

Wir weisen darauf hin, dass dieses Theaterstück sexualisierte Gewalt, Vergewaltigung und Traumabewältigung thematisiert.

In diesem Stück kommen Stroboskop-Effekte zum Einsatz.

ab Klasse 11

Dauer: 1 Stunde 55 Minuten, keine Pause

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© Kooné
Schauspiel

Bunbury. Ernst sein is everything!

von Oscar Wilde

Deutsch von Claudia Bossard

Um ihren gesellschaftlichen Verpflichtungen entfliehen und inkognito ihre geheimen Wünsche und Sehnsüchte – ihr wahres Ich? – ausleben zu können, führen die beiden Dandys Algernon und Jack ein Doppelleben. Algernon erfindet einen kränklichen Freund namens Bunbury, der regelmäßig auf dem Land besucht werden muss, während Jack vorgibt, sich um seinen leichtlebigen Bruder Ernst zu kümmern, um möglichst oft in die Stadt reisen zu können. Dort führt er als ebenjener Ernst ein ausschweifendes Leben, während er auf seinem Landsitz das moralisch unantastbare Vorbild für sein Mündel Cecily gibt. Diese wiederum hat es sich – ebenso wie Algernons Cousine Gwendolen, um die Jack bei seinen Besuchen in der Stadt wirbt – in den Kopf gesetzt, ausschließlich einen Mann namens Ernst zu heiraten. Als Algernon in der Rolle von Jacks vermeintlichem Bruder Ernst auf dem Landsitz auftaucht, nehmen die komischen Verwicklungen ihren Lauf.

Bunbury (im Original: The Importance of Being Earnest ) ist Oscar Wildes berühmteste Komödie – und zugleich seine letzte: Kurz nach der Uraufführung wurde er 1895 im Zuge eines öffentlichen Prozesses wegen homosexueller Handlungen zu zwei Jahren Zuchthaus mit schwerer körperlicher Arbeit verurteilt. Gesundheitlich, finanziell und gesellschaftlich ruiniert, verstarb der Autor 1900 im Alter von 46 Jahren in Paris. Oscar Wildes eigenes Doppelleben, das im Gegensatz zu dem seiner Protagonisten kein glückliches Ende nahm, schreibt sich aus heutiger Perspektive unweigerlich in diese perfekt gebaute Komödie ein.

In der rasanten Fassung der Regisseurin Claudia Bossard wird Oscar Wildes mit Sprachwitz gespickte Komödie zum queeren Theaterspaß, der im metropolitanen Society-Talk nicht nur die Sprachgrenzen zwischen Deutsch und Englisch verflüssigt, sondern auch im spielerischen Wirbelsturm Gender- und Identitätsbilder aus ihrem viktorianischen Gesellschaftskorsett befreit.

Regie: Claudia Bossard
Bühne und Kostüme: Elisabeth Weiß
Kostümmitarbeit: Matthias Dielacher
Choreografie: Marta Navaridas
Sounddesign: Annalena Fröhlich
Dramaturgie: Elisabeth Tropper, Daniel Richter
Licht: Viktor Felligi, Kristina Jedelsky
Maske: Andreas Müller

Dauer: 2 Stunden, keine Pause

empfohlen ab Klasse 9

Mit englischen Übertiteln

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© Thomas Aurin
Schauspiel

Der Fall McNeal

von Ayad Akhtar aus dem Englischen von Daniel Kehlmann

Jacob McNeal ist das Paradebeispiel für den sprichwörtlichen alten weißen Mann und geradezu ein Prototyp einer heute zunehmend als toxisch gebrandmarkten Männlichkeit: ein berühmter US-amerikanischer Schriftsteller Ende 60, ein Charismatiker mit einem Alkoholproblem und ein bisschen ungehobelten Manieren, eine ehrliche Haut, prominent, erfolgreich, raumgreifend. Im Laufe des Lebens hat er sich seine Bildung, seine Sprachmacht und seinen Platz in der Literaturgeschichte seines Landes hart erarbeitet und dabei ohne Rücksicht auf Verluste sich selbst, seine Beziehungen und seine Gesundheit ausgebeutet und ruiniert. Auf dem Höhepunkt seines Ruhms (Literaturnobelpreis) und am Ende seines Lebens (Leberzirrhose) holt ihn seine Vergangenheit ein und überholt ihn eine Technologie, die ihn als Autor bedroht: Künstliche Intelligenz.

Das Stück variiert inhaltlich und auch formal eines der großen poetologischen Probleme: die Tatsache, dass Literatur selten ganz originär ist und jeder Autor oder jede Autorin zunächst immer auch Leser oder Leserin ist. Als dieser arbeitet er oder sie sich bewusst oder unbewusst mit dem eigenen Schaffen an anderen Werken ab, genau wie die KI, die auch mit Texten und Daten gefüttert sein muss, damit sie etwas schreiben kann. Ayad Akhtar, der Autor dieses Theaterstücks, hat mit forschender Neugierde zwei Jahre lang intensiv eine KI trainiert, bis sie in der Lage war, dieses Stück zu schreiben – in seinem Stil, in seinem Sinn. Und ist dabei auf Probleme gestoßen: u.a., dass die KI kein literarisch interessantes Verhältnis zum Tod entwickelt, der ja eines der brennenden Menschheitsthemen ist.

Wie wird KI unser Leben und Denken, unsere Gesellschaft und unsere Kunst verändern? Kann sich Theater als einer der letzten Orte analoger Vergemeinschaftung behaupten gegen die digitale Vereinzelung, die schon jetzt rasant um sich greift und zu einer ganz neuen Form von Einsamkeit und Beeinflussbarkeit führt? Und was wird KI im Kunstkontext künftig sein: Spielzeug, Assistent oder erstzunehmende Konkurrenz? All diesen Fragen geht Der Fall McNeal nach – als nachdenklich machendes well made play, dem eine technologische, moralische und literaturtheoretische Problematik zugrunde liegt.

Regie: András Dömötör
Bühne: Julia Plickat, Ann-Christine Müller
Kostüm: Almut Eppinger
Musik: Tamás Matkó
Video: Zsombor Csegliédi
Licht: Matthias Vogel
Dramaturgie: Karla Mäder

Dauer: 1 Stunde 45 Minuten, keine Pause

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Schauspiel

ugly duckling

von Bastian Kraft und Ensemble nach Hans Christian Andersen

"Ich träumte nie von soviel Glück, als ich noch das hässliche kleine Entlein war."

In den Märchen von Hans Christian Andersen stößt man immer wieder auf Transformationen: Die kleine Meerjungfrau verwandelt sich in einen Menschen, das hässliche Entlein in einen stolzen Schwan. Dass es sich bei diesen Verwandlungen auch um ein maskiertes Spiel mit Geschlechtlichkeit und Sexualität handelt, ist Ausgangspunkt für ein Projekt, das Andersens Märchen den Biografien von Berliner Dragqueens gegenüberstellt. Diese Protagonist_innen des urbanen Nachtlebens machen das Spiel mit Geschlechterrollen zum befreienden Spektakel. Dabei bewegen sie sich an der schillernden Grenze zwischen schamloser Selbstdarstellung und subkulturellem Sendungsbewusstsein. Die Transformation mittels Schminke und Perücken nämlich produziert nicht nur ein neues Ich, sondern damit auch ein neues Selbstbewusstsein. Die so erschaffene Kunstfigur ist der stolze Schwan, in dessen Gestalt sich das hässliche Entlein der Welt stellen kann.

Für seine Inszenierung "ugly duckling" wurde Bastian Kraft 2019 von Travestie für Deutschland mit dem Ehrenstöckel ausgezeichnet.

Regie: Bastian Kraft
Bühne / Video: Peter Baur
Kostüme: Jelena Miletić
Musik: Romain Frequency
Licht: Thomas Langguth
Dramaturgie: Ulrich Beck

Dauer: 1 Stunde 55 Minuten, keine Pause

In der Vorstellung wird Stroboskop-Licht eingesetzt.
Alle Vorstellungen werden mit englischen Übertiteln gezeigt.

Altersempfehlung: ab Klasse 9

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Schauspiel

Biografie: Ein Spiel

von Max Frisch

Wer wünscht sich das nicht? Einmal das Leben anhalten, von vorne beginnen und seine Biografie ändern. Der Hauptfigur Hannes Kürmann in Max Frischs Drama Biografie: Ein Spiel wird diese Möglichkeit geboten: Vor allem die erste Begegnung mit seiner Ehefrau Antoinette scheint für Kürmann ein zentraler Moment seiner Biografie zu sein, den er im Nachhinein gerne vermieden hätte. In mehreren Anläufen versucht er zu verhindern, die Frau zu treffen, mit der er die letzten sieben Jahre verbracht hat. Doch wohin führt Kürmann dieser Versuch? Wie wäre sein Leben ohne Antoinette verlaufen? Kann er sein Leben rückblickend optimieren? Oder bleibt er in gewohnten Verhaltensmustern und Verstrickungen hängen?

Regie: Bastian Kraft
Bühne: Peter Baur
Kostüme: Karin Rosemann
Musik: Björn SC Deigner
Video: Peter Baur
Dramaturgie: Ulrich Beck

Dauer: 1 Stunde 30 Minuten, keine Pause

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Schauspiel

Let Them Eat Chaos

von Kae Tempest aus dem Englischen von Johanna Davids

Es ist 4:18 Uhr morgens. Eine Straße irgendwo in London. Sieben Menschen liegen wach; getrieben von Sorgen, Erinnerungen, Einsamkeit oder Verlust. Sie alle leben in der gleichen Straße, doch ihre Wege haben sich nie gekreuzt. Bis jetzt. Denn am Horizont zieht ein Sturm auf …

Let Them Eat Chaos ist ein Langgedicht und zugleich das zweite Studioalbum des britischen Dichters und Spoken-Word-Künstlers Kae Tempest. In einer dichten, lyrischen Komposition verbindet Tempest Poesie, gesellschaftliche Analyse und musikalische Energie zu einem eindringlichen Weckruf. Mit radikaler Ehrlichkeit und großer Empathie erzählt Tempest von Entfremdung, sozialer Ungleichheit und der seelischen Erschöpfung unserer spätmodernen Gesellschaft und öffnet zugleich einen Raum für Hoffnung: auf Begegnung, Veränderung und ein anderes Miteinander.

Regisseur Sebastian Nübling bringt Tempests Werk als performative Erkundung auf die Bühne. In der Kammer begegnen sich sieben Figuren – vielleicht auch sich selbst – zum ersten Mal. So entsteht ein poetisch aufgeladener Theaterabend über das Chaos unserer Zeit und über das, was uns darin vielleicht verbinden könnte.

Regie: Sebastian Nübling
Bühne: Dominic Huber
Kostüm: Una Jankov
Musik: Jackie Poloni
Licht: Thomas Langguth
Dramaturgie: Christopher-Fares Köhler

In diesem Stück kommen Stroboskop-Effekte zum Einsatz.

Dauer: 1 Stunde 10 Minuten, keine Pause

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Schauspiel

Eine Minute der Menschheit

nach Stanisław Lem aus dem Polnischen von Edda Werfel in einer Bühnenfassung von Anita Vulesica

Wie kann der Mensch es schaffen, im Bewusstsein dafür zu leben, dass wir nicht allein sind, dass wir uns die Erde teilen? Diese Frage wirft Stanisław Lems 1983 erschienener Text Eine Minute der Menschheit mithilfe einer fiktiven Buchrezension auf: Der Text ist ein Buch über ein Buch, das versucht, festzuhalten, was in einer Minute auf der Welt passiert, was die Menschheit also in sechzig Sekunden erlebt, einander antut und zerstört. Diskutiert werden dabei Statistiken über Tod, Fortpflanzung, Überbevölkerung und Ressourcenknappheit, aber auch die pro Minute produzierte Kunst, entrichtete Kirchensteuer oder von Menschen verspeisten Tiere.

Die Bilanz dieses irrwitzigen Versuchs, eine „extreme Zusammenfassung der Menschheit” aufzustellen und dabei dem Menschsein an sich auf die Schliche zu kommen, fällt eher desaströs aus. Erschwert wird das Gedankenexperiment durch das Wesen der Zeit selbst, denn im Moment ihres Porträts läuft die Zeit weiter, verliert die gerade erhobene Statistik schon ihre Aktualität. Doch wo liegen die Grenzen der statistischen Methode? Welche Lebensbereiche, Gefühle und Taten des Menschen entgehen dem Gesetz der großen Zahlen? Und wie lässt sich das alles eigentlich ertragen?

Stanisław Lem gilt als einer der wichtigsten Science-Fiction-Autoren des 20. Jahrhunderts. In seinem umfangreichen und kreativ überbordenden Werk hat er zahlreiche technologische Entwicklungen der Zukunft prognostiziert – von Robotik über das Internet bis zur Raumfahrt. Romane wie Solaris oder Der Futurologische Kongress wurden zu Klassikern der fantastischen Literatur. Anita Vulesica, die am Deutschen Theater durch ihre Inszenierungen Der Liebling, Die Gehaltserhöhung und Die Kahle Sängerin als Spezialistin für absurdes und tragikomisches Theater bestens bekannt ist, entdeckt nun einen bisher weniger beleuchteten Text von Lem erstmals für die Bühne.

Regie: Anita Vulesica
Bühne: Henrike Engel
Kostüm: Janina Brinkmann
Choreografie: Mirjam Klebel
Video: Phillip Hohenwarter
Komposition: Anita Vulesica, Yannick Wittmann
Musikalische Leitung: Yannick Wittmann
Licht: Matthias Vogel
Dramaturgie: Lilly Busch

Dauer: 1 Stunde 50 Minuten, keine Pause

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Schauspiel

Hospital der Geister

nach der Fernsehserie von Lars von Trier und Niels Vørsel

Fassung für das Theater von Jan-Christoph Gockel und Karla Mäder

Im Kopenhagener Reichskrankenhaus, genannt „Das Reich“, kämpfen Ärzte mit modernster Technologie im Dienst der Wissenschaft gegen Krankheit und Tod. Jedoch durchaus auf unsicherem Grund, denn das Krankenhaus wurde auf Sumpfland errichtet: „Vielleicht wurden sie zu anmaßend in ihrer hartnäckigen Leugnung der spirituellen Welt? Denn in dem so modernen und scheinbar so soliden Gebäude werden Ermüdungsrisse sichtbar. Die Tore zum Reich des Todes beginnen sich wieder zu öffnen.“ So heißt es im Vorspann der Serie, die der junge Lars von Trier nach Abschluss seines Studiums für das dänische Fernsehen schuf.

Es geht um ein marodes Krankenhausgebäude, esoterische Behandlungsmethoden, die Vertuschung ärztlicher Kunstfehler, eine auf Sparkurs geeichte Krankenhausverwaltung, den Überraschungsbesuch des Gesundheitsministers und andere unerfreuliche Dinge. Dazu spuken Gespenster im Gebäude und Monster werden geboren. Das Böse kämpft mit dem Guten: Nicht wenig passiert in den acht Folgen, die in den 90ern gedreht wurden.

Mit schwarzem Humor wirft das Geschehen im „Reich“ fundamentale Fragen auf, die in all ihrer absurden Skurrilität ins Herz des Gesundheitswesens zielen: Wie ist der Zustand der Krankenhäuser? Wie steht es um Effizienz und ethisch-moralische Fragen in Bezug auf ärztliches Handeln? Aber auch: Wie sehr ist die Vergangenheit Teil der Gegenwart? Wie sehr ist das Böse Bedingung für das Gute? Und vor allem: Wie durchlässig ist die Grenze zwischen Leben und Tod?

Lars von Trier, großer europäischen Filmemacher und enfant terrible der Filmbranche, ist ein Kultregisseur, dessen Filme inhaltlich so provokant wie ästhetisch innovativ sind. Viele seiner Werke wurden für das Theater adaptiert, das „Hospital der Geister“ findet nun – in der Nähe der ebenfalls auf unsicheren Grund gebauten Charité – seinen Weg auf die Bühne: als personenreiches Spektakel, das auch ein inklusives Theaterprojekt mit Spieler:innen von RambaZamba und aus Graz ist.

Regie: Jan-Christoph Gockel
Bühne: Julia Kurzweg
Kostüme: Sophie du Vinage
Musik: Matthias Grübel
Puppenbau: Michael Pietsch
Licht: Robert Grauel
Dramaturgie: Karla Mäder

Dauer: 4 Stunden 40 Minuten, 2 Pausen

empfohlen ab Klasse 11

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Schauspiel

Die drei Leben der Hannah Arendt

nach der Graphic Novel von Ken Krimstein aus dem Englischen von Hanns Zischler

Ihr Leben liest sich wie ein Krimi aus vielen Leben: Königsberg in den 10er Jahren, Studienjahre bei Heidegger und Jaspers, das Berlin der 20er, das Paris der 30er, Fluchten und Freundschaften, das New York der 50er und 60er. Die Kriege und Totalitarismen des 20. Jahrhunderts prägen und beschäftigen sie. Ihr politisches Hauptwerk Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft macht sie 1951 über Nacht bekannt. Als sie 1961 aus Jerusalem über den Eichmann-Prozess berichtet, erkennt sie in dem Massenmörder einen bürokratischen „Hanswurst” und löst damit eine Kontroverse aus. Sie hält der Kritik stand. Sie will den Dingen auf den Grund kommen, auch wenn sie dadurch gezwungen ist, „dahin zu denken, wo es wehtut”, wie Hannah Arendt einmal sagt. Freiheit im Denken ist ihr das höchste Gut. „Denken ohne Geländer” nennt sie das.

Ken Krimstein ist ein Kenner der Materie. Der in Chicago beheimatete Cartoonist und Autor, der sonst regelmäßig für The New Yorker, The Wall Street Journal und die Chicago Tribune zeichnet, hat der Biographie der berühmten Denkerin ein Buch gewidmet. In Hunderten von Zeichnungen skizziert seine Graphic Novel Die drei Leben der Hannah Arendt ein abenteuerliches Leben. Theresa Thomasberger bringt die Biografie als Gedankenreise durch das 20. Jahrhundert zur Aufführung.

Regie: Theresa Thomasberger
Bühne: Mirjam Schaal
Kostüm: Marilena Büld
Musik: Oskar Mayböck
Licht: Kristina Jedelsky
Dramaturgie: Bernd Isele

ab Klasse 11

Dauer: 2 Stunden, keine Pause

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© Jasmin Schuller
Schauspiel

Parzival

nach Wolfram von Eschenbach in einer Überschreibung von Joanna Praml und Dorle Trachternach

Parzival weiß nichts von der Welt. Er wächst abgeschieden im Wald auf, fernab von gesellschaftlichen Normen, Machtstrukturen und Kriegslogik. Doch die Welt lässt sich nicht dauerhaft fernhalten. Und so zieht Parzival los, raus in die Welt: naiv, neugierig und fest entschlossen, Ritter der Tafelrunde zu werden. Er irrt, fragt zu spät, trifft falsche Entscheidungen, begegnet Liebe, Ausgrenzung, Schuld und einer Idee, die größer ist als alles, was er bisher kannte: dem Gral. Was bedeutet es heute, ritterlich zu handeln? Was prägt unser Denken und unsere Taten, wenn Elternhaus und Schule keine zufriedenstellenden Antworten mehr geben? Wem hören wir zu – und wer hört uns? Zwischen Mythos und Gegenwart entsteht ein Abend über das Recht auf Orientierung und die Notwendigkeit, sich selbst einen Platz in der Welt zu erkämpfen, koste es, was es wolle.

Regie: Joanna Praml
Bühne: Claudia Kalinski
Kostüme: Inga Timm
Musik: Hajo Wiesemann
Licht: Marco Scherle
Dramaturgie: Bernd Isele, Dorle Trachternach
Theaterpädagogik: Maura Meyer

ab Klasse 9

Dauer: 1 Stunde 50 Minuten, keine Pause

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© Jasmin Schuller
Schauspiel

Fake Jews

von Noam Brusilovsky

1995 erscheint bei Suhrkamp ein Band mit Erinnerungen eines lettischen Holocaustüberlebenden. Die Veröffentlichung erhält zahlreiche Preise und wird als bewegendes Zeitdokument bestens besprochen. Bis nur drei Jahre später ein schweizerisch-jüdischer Journalist aufdeckt: Der Autor dieser angeblichen Memoiren ist weder Jude, noch war er je vom Terror der Nationalsozialisten betroffen, sondern schreibt aus einer erfundenen Perspektive, hat sich seine jüdische Biographie also nur ausgedacht.

Allerdings: Diese Aneignung einer jüdischen Opferbiografie ist keineswegs ein Einzelfall, und was aufgrund der fiktiven Biografie des Binjamin Wilkomirski anschließend als „Wilkomirski-Syndrom” beschrieben wird, erfährt seit dem zweiten Weltkrieg regelrecht Konjunktur. Insbesondere im Land der Täter und der nicht flächendeckend aufgearbeiteten Familiengeschichten finden sich zahlreiche Figuren, die sich einen Vorteil durch die Behauptung einer Verfolgungsbiographie versprechen, unter ihnen eine bekannte Bloggerin, ein langjähriger Vorsitzender einer jüdischen Gemeinde bei Hamburg oder ein einflussreicher Journalist.

In einer Gegenwart, in der die eigene Identität für die Sichtbarkeit und Relevanz einer Aussage zunehmendes Gewicht erhält, werden bestimmte Biographien zum Privileg: Ist die Aneignung jüdischer Identität also ein Karrierevorteil? Ein Verkaufsargument? Oder wird vielmehr nicht allzu genau überprüft, ob das Behauptete stimmt, wenn es historisch so sensibel ist? Noam Brusilovsky untersucht diese Fragen in einem Monologprojekt und beleuchtet die blinden Flecken der deutschen Erinnerungskultur in einer sich zunehmend polarisierenden Gegenwart.

Regie: Noam Brusilovsky
Ausstattung: Julia Plickat
Musik: Tobias Purfürst
Dramaturgie: Johann Otten

Dauer: 1 Stunde 35 Minuten, keine Pause

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Schauspiel

Tagebuch eines Wahnsinnigen

von Nikolai Gogol

aus dem Russischen von Kai Borowsky

Poprischtschin ist ein kleiner Beamter im Staatsdienst. Jeden Tag müht er sich in seinem grauen Alltag ab, ist unglücklich in seinem Beruf und auch noch hoffnungslos in die Tochter seines höchsten Chefs verliebt. Er träumt vom sozialen Aufstieg und zieht sich mehr und mehr aus der ihn demütigenden Realität zurück, um sich schließlich komplett in eine Scheinwelt zu flüchten.

Nikolai Gogol beschreibt in Aufzeichnungen eines Wahnsinnigen die Situation eines Mannes, der keine Chance mehr hat auf Karriere und Aufstieg in der Gesellschaft, sich aber weigert, dies zu akzeptieren. Stattdessen versucht er, seinen Minderwertigkeitskomplex durch ein bis zum Größenwahn gesteigertes Omnipotenzgefühl zu bewältigen. Samuel Finzi spielt den Wahnsinnigen, der mit 42 Jahren eine neue Karriere startet.

Regie: Hanna Rudolph
Bühne: Mareile Krettek
Kostüme: Geraldine Arnold
Musik: Jacob Suske

Dauer: 1 Stunde 15 Minuten, keine Pause

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Schauspiel

Leichter Gesang

von Nele Stuhler

„Ich verstehe Bus / Ich verstehe U-Bahn / Ich verstehe Bus-Bahn-Hof / Ich versteh an Halte-stelle!”

Was bedeutet es, etwas zu verstehen oder nicht zu verstehen? Welche Sprache braucht es für Verständigung? Und was geschieht, wenn genau dieser Versuch das Verstehen, das Missverstehen selbst zum Thema eines Theaterabends wird? Autorin Nele Stuhler und Regisseur FX Mayr begeben sich gemeinsam mit Schauspieler:innen des DT und des inklusiven RambaZamba Theaters auf eine poetische Forschungsreise: ins Innere des Sprechens, des Schreibens und in das produktive Missverständnis.

Leichter Gesang ist ein Theatertext, der nicht vorgibt, alles zu wissen, sondern sich bewusst im Nicht-Wissen verortet. Der in der Sprache selbst sein Material findet und sie gleichzeitig in Frage stellt. Nele Stuhler arbeitete dabei auch mit Elementen der Leichten Sprache, ohne sie eins zu eins zu übernehmen. Stattdessen nutzte sie deren Prinzipien. Herausgekommen ist eine Sprache, die zugleich einfach und komplex ist. Eine Sprache, die allen fremd ist und damit alle gleichermaßen einlädt, sich ihr zu nähern. Eine Inszenierung über Sprache, über ihre Macht und ihre Grenzen. Über das, was verständlich erscheint; und was sich im nächsten Moment wieder entzieht. Die Begriffe neu sortiert, Fragen stellt, statt Antworten zu geben. Ein Text, der erklingen will, im Sprechen, im Singen, im Spiel. Und der dabei erfahrbar macht, dass Verständigung nicht im Beherrschen von Sprache liegt, sondern im gemeinsamen Versuch.

Verstehen? Nicht verstehen! In unserem Spielzeitmagazin sprechen Autorin Nele Stuhler und Regisseur FX Mayr über ihr Projekt Leichter Gesang und die Frage, wie ein Stücktext neue Begegnungen ermöglichen kann.

Regie: FX Mayr
Bühne: Anna Wohlgemuth
Kostüm: Korbinian Schmidt
Musik: Matija Schellander
Licht: Thomas Langguth
Dramaturgie: Christopher-Fares Köhler
Projektmitarbeiterin: Inklusive Kunstpraxis Joy von Wienskowski

Dauer: 1 Stunde 10 Minuten, keine Pause

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© Elke Walkenhorst
Schauspiel

Heimsuchung

von Jenny Erpenbeck

Ein Grundstück am Scharmützelsee in Brandenburg, darauf ein Sommerhaus, darin die Geschichte des 20. Jahrhunderts. So ließe sich der 2007 erschienene Roman der Berliner Autorin Jenny Erpenbeck zusammenfassen. Ein Text, in dem die Hauptrolle das Haus, eigentlich sogar das Grundstück hat. Ursprünglich im Besitz eines Großbauern, wird es nach dessen Tod aufgeteilt und zur Bühne von elf Lebensgeschichten, stellvertretend für Hoffnung und Leid, Glück und Tragödie der letzten einhundert Jahre.

In elf Kapiteln erzählt Erpenbeck protokollarisch von Zeit und Geschichte während dreier Generationen, die diesem Flecken Erde widerfährt, von einem während der Nazizeit erfolgreichen Architekten, der nach den Vorstellungen seiner Frau ein Haus errichtet, von einem jüdischen Tuchfabrikanten, der das Grundstück unter Wert verkauft und mit seiner Familie deportiert und ermordet wird. Von der Besatzung des Hauses durch die Kompanie eines jungen Majors der roten Armee nach dem zweiten Weltkrieg, von der im Wandschrank versteckten Frau des Architekten, von einer aus dem sowjetischen Exil zurückkehrenden Schriftstellerin und schließlich von den Erben des Architekten, die nach dem Ende der DDR ihre Ansprüche auf das Haus einlösen. Zeitlos wacht während all dieser Zeit ein Gärtner über das Grundstück, schneidet Hecken, pflegt Sträucher, kultiviert die Natur, die sich in den Ritzen des Schicksals immer wieder ausbreitet. Heimsuchung ist gewissermaßen ein Geschichtsbuch, das jedoch klare Zuordnungen zwischen Recht und Unrecht, gut und böse, Tätern und Opfern verkompliziert, das vielmehr die Komplexität von Geschichte spürbar macht. Verwoben darin die Geschichte der Autorin, deren Großmutter Hedda Zinner selbst ein Haus am Scharmützelsee besaß, nachdem sie 1945 aus sowjetischem Exil in die DDR kam.

2024 erhielt Jenny Erpenbeck für ihren Roman Kairos den International Booker Prize und wurde einem internationalen Publikum bekannt, die New York Times votierte Heimsuchung in die Liste der „100 Best Books of the 21th Century”.

Regie: Alexander Eisenach
Bühne: Daniel Wollenzin
Kostüm: Claudia Irro
Video: Oliver Rossol
Licht: Robert Grauel
Dramaturgie: Johann Otten

Wir weisen darauf hin, dass einzelne Szenen die Verbrechen des Nationalsozialismus, Antisemitismus, sexualisierte Gewalt, Suizid, Flucht und Vertreibung thematisieren.

empfohlen ab Klasse 11

Dauer: 2 Stunden 45 Minuten, 1 Pause

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Schauspiel

Prima Facie

von Suzie Miller

Aus dem Englischen von Anne Rabe

Trotz Bestnoten, Einser-Abi und ausgezeichnetem Bachelor-Abschluss: Zwei Drittel aller Studierenden der Top Law School werden ihr Studium nicht abschließen. Von denen, die es schaffen, wird nur die Hälfte als Jurist:in arbeiten. Und nur fünf davon als Anwält:in. Aber Tessa hat es geschafft. Aus dem Arbeiterkind, das sich seinen Platz hart erkämpft, wird eine erfolgreiche Strafverteidigerin, die mit Stolz ihre Rosshaarperücke trägt. Wie alle Strafrechtsanwälte glaubt Tessa an das Gesetz, an das System und an die Unschuldsvermutung, die für sie keine Floskel ist, sondern das Fundament einer zivilisierten Gesellschaft. Deshalb verteidigt auch sie die Angeklagten, sucht nach Lücken in der Anklage und prüft akribisch die Aussagen von Opfern und Zeugen. Und Tessa ist eine der Besten in ihrem Job.

Ob Drogenprozesse, Korruptionsvorwürfe oder sexuelle Übergriffe: Tessa geht es um die juristische Wahrheit und den Beweis, mithilfe dessen ihre Angeklagten vor dem Gesetz für „unschuldig“ erklärt werden. Im Kreuzverhör spielen Sympathien keine Rolle, jede und jeder muss sich den scharfen Fragen der Anwältin stellen, auch Opfer vermeintlicher sexueller Übergriffe, deren Aussagen vor Gericht analysiert und auseinandergenommen werden. Bis zu dem Tag, an dem etwas passiert, was Tessa nie für möglich gehalten hätte: Ihr Kollege, mit dem sie eine Affäre hat, wird nach einem Date sexuell übergriffig. Während ihr Leben vor ihren Augen zusammenbricht, wird Tessa von der Strafverteidigerin zur Anklägerin und erlebt die Vorgänge im Gerichtssaal von der anderen Seite.

"Prima facie" ist ein juristischer Terminus, der auf Deutsch Anscheinsbeweis heißt und so viel bedeutet wie "bis auf Widerruf" oder "solange sich keine neuen Evidenzen einstellen". Kann das System, an das Tessa so sehr geglaubt hat, sie schützen – oder lässt es sie am Ende im Stich?

Der preisgekrönte Monolog der australischen Autorin Suzie Miller wurde 2019 in Sidney uraufgeführt und hat bereits erfolgreich im Londoner Westend und jüngst am Broadway Premiere gefeiert.

Regie: András Dömötör
Bühne und Kostüme: Moïra Gilliéron
Musik: Tamás Matkó
Dramaturgie: Jasmin Maghames

Wir weisen darauf hin, dass dieses Theaterstück auch sexualisierte Gewalt, Vergewaltigung und Traumabewältigung thematisiert.

In diesem Stück kommen Stroboskop-Effekte zum Einsatz.

Dauer: 1 Stunde 35 Minuten, keine Pause

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© Thmas Aurin
Schauspiel

Die kahle Sängerin

Anti-Stück von Eugène Ionesco

Aus dem Französischen von Serge Stauffer

Der Titel mag gewöhnungsbedürftig sein, der Inhalt ist es keinesfalls. Ionescos "Anti-Stück" von 1948, das alle bis dahin geltenden Regeln des Theaters ignoriert und in dem nicht nur eine Wanduhr verrücktspielt, gilt als Gründungsdokument des Absurden Theaters, das in den 50er Jahren durch Samuel Beckett und andere berühmt wurde. Entstanden als Reaktion auf die Gräuel von Nazizeit und Zweitem Weltkrieg, postuliert das Absurde Theater in Form und Inhalt die Sinnlosigkeit als einzig sinnvollen Daseinszustand. Das Ergebnis dieser zutiefst melancholischen Bestandsaufnahme ist allerdings bei Ionesco höchst vergnüglich: Skurrile Figuren in humorvollen Situationen ergeben pralles Theater, in dem sich bizarre Dialoge in ein Feuerwerk aus sinnentleerten Phrasen und Nonsens-Sätzen steigern.

Die Handlung – wenn man das, was geschieht, so nennen darf – ist rasch zusammengefasst: Mr. und Mrs. Smith, die sich nach dem Abendessen gewaltig miteinander langweilen, bekommen Besuch von einem befreundeten Ehepaar, das bei seinem Auftritt erst einmal klären muss, ob sie einander kennen. Am Ende stellen die beiden erfreut fest, dass sie im selben Bett schlafen, verheiratet sind und ein Kind haben. Die Abendunterhaltung zu viert hingegen wird immer merkwürdiger: Das Dienstmädchen Mary glaubt, es sei Sherlock Holmes, ein Feuerwehrmann sucht einen zu löschenden Brand und stiftet dabei zusätzlich Verwirrung; was es nun aber mit der "kahlen Sängerin" auf sich hat, dürfen Sie selbst herausfinden.

Übernahme der Produktion vom Schauspielhaus Graz

Regie: Anita Vulesica
Bühne: Henrike Engel
Kostüme: Janina Brinkmann
Musik: Camill Jammal
Choreografie: Mirjam Klebel
Dramaturgie: Karla Mäder

Dauer: 1 Stunde 45 Minuten, keine Pause

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Schauspiel

Pygmalion

von George Bernard Shaw

in einer Bearbeitung von Bastian Kraft

Eliza Doolittle steht ganz unten in der gesellschaftlichen Rangordnung: Ohne Geld und Bildung, dafür mit aller Schlagfertigkeit des rauen Straßenjargons, kämpft sie sich durch, indem sie Blumen an Passant:innen verkauft. Dann jedoch trifft sie auf den Sprachwissenschaftler Henry Higgins. Eliza sieht in dem Professor ihre Chance auf den gesellschaftlichen Aufstieg und bittet um Sprechunterricht. Nach anfänglichem Zögern lässt sich Higgins darauf ein, vielmehr noch wittert er die Möglichkeit eines Sprach- und Gesellschaftsexperiments. Er und sein Kollege Pickering gehen eine Wette ein: Higgins will mit seiner Expertise Eliza innerhalb weniger Monate in die gehobene Gesellschaft der englischen Upper-Class einführen.

George Bernard Shaw schrieb sein ironisch-satirisches Werk als vermeintliche Romanze ohne Happy End. Pygmalion basiert auf dem gleichnamigen Mythos des Ovid: Ein Bildhauer meißelt sich kurzerhand die perfekte Skulptur und verliebt sich prompt in sie. Shaws Stück wurde viele Jahre später als Liebesgeschichte adaptiert und unter dem Titel My Fair Lady zum weltweiten Broadway- und Kino-Erfolg. Bastian Kraft stellt das Sprachexperiment ins Zentrum seiner Auseinandersetzung. Gemeinsam mit den biografischen Erfahrungen der Schauspieler:innen, findet er einen persönlichen Zugang dazu, wie Sprache und Klasse miteinander verbunden sind. Was ist eigentlich „schlechtes” Sprechen? Können wir alle möglichen sozialen Rollen spielen, sobald wir uns ihre Sprache aneignen? Und wetten wir letztlich nicht jeden Tag mit uns selbst, ob die anderen uns unsere eigene Rolle abkaufen werden?

Regie: Bastian Kraft
Bühne: Peter Baur
Kostüme: Inga Timm
Musik: Björn SC Deigner
Video: Jonas Link
Coaching / Choreografie: Angélique Mimi (Iconic House of Prodigy)
Licht: Thomas Langguth
Dramaturgie: Christopher-Fares Köhler

Dauer: 1 Stunde 45 Minuten, keine Pause

empfohlen ab Klasse 8

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Schauspiel

Vertikale Wale

von Milena Michalek und Ensemble

Nicht schlafen wollen
Schlafen müssen
Nicht schlafen können
Schlafen sollen
Schlafen wollen
Aber nicht schlafen

Der Schlaf ist von zahlreichen Normen durchzogen, die das Zwischenmenschliche organisieren. Wann, wie und wo geschlafen wird ist keine individuelle Entscheidung und doch ist jede Schlafende in ihrem Schlaf ganz eigentümlich und besonders. Wie geht das? Und warum soll die Nacht nur dazu verwendet werden, sich für den Tag zu regenerieren? In diesem Schlafraum treffen sich Leute, die einander Freundin, Chefin, Papa, Crush oder Mieter sind. Leute, die schlafen wollen, zur Erneuerung der Zellen und für frische Entscheidungsenergie. Oder die lieber wach bleiben, noch ein was zu Ende erzählen, und bloß nichts verpassen. Versunken in die Nacht begrübeln sie die Welt und einander. Schwärmen sich zu heimlichen Vergnügen oder schmieden widerständige Pläne. Es gibt Gespräche, die ergeben sich nur nachts. Na dann. Gutnacht!

Die Theaterautorin und Regisseurin Milena Michalek erarbeitet ihre Stücke stets im kollektiven Denken und engen Zusammenspiel mit ihrem Ensemble. Die Stückentwicklung Vertikale Wale erkundet in vielzähligen Alltagszenen und Beziehungskonstellationen das Phänomen und Grundbedürfnis Schlaf. Was bringt und was raubt uns den Schlaf, diese so allnächtliche wie profunde Angelegenheit?

Regie: Milena Michalek
Bühne und Kostüm: Zahava Rodrigo
Musik: Yvi Philipp
Licht: Heiko Thomas
Dramaturgie: Lilly Busch

Dauer: 1 Stunde 20 Minuten, keine Pause

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Schauspiel

Die Insel der Perversen

Ein deutsches Singspiel von Rosa von Praunheim

Wenn sie dieses Stück sehen, sollen sie sich gewiss sein, dass es nach dem unnatürlichen Tode des Autors Rosa von Praunheim geschrieben wurde, es ist sozusagen ein Kunstwerk post mortem und es ist nicht das einzige: Nach seiner Beerdigung am 16. Oktober 2023, zu der übrigens niemand erschien, hat Rosa noch bedeutende Filme gedreht, nämlich 30 Jahre an der Peitsche und Die Satanische Sau .
Ursprünglich war Insel der Perversen ein Musical über Putin, aber den Dramaturgen des DT war die Bösartigkeit von Putin nicht unterhaltsam genug, weshalb Rosa die Diven des neuen Deutschlands, Sahrah und Alice, zu den Protagonistinnen erkoren hat.
Da Zeitenwende das Wort des Jahres ist, erinnern wir uns daran, dass die Zeiten des fröhlich liberalen Denkens vorbei sind, Demokratie eine neue Bedeutung bekommt und das freizügige Kulturschaffen in naher Zukunft hart bestraft wird, nämlich mit der Verschleppung auf die Insel der Perversen.
Rosa ist heilfroh, dass er das nicht mehr lebend erleben muss, und dass er von unten draufschauen kann mit absurdem Humor, der die Wirklichkeit der Zuschauer im DT bald ablösen wird.
Rosa von Praunheim

Rosa von Praunheim ist Filmemacher, Produzent, Schreiber und Dichter, begnadeter Maler, Aktivist und einer der großen Wegbereiter der Schwulen-Bewegung in Deutschland und weltweit. Filme, Interviews, Ausstellungen, Buchprojekte: Rosa arbeitet immer und an vielem gleichzeitig. Er bleibt ein unruhiger Geist, der unsere Gegenwart mit Polemik und Neugier, Schärfe und Witz analysiert, dauerbedichtet und dauerbesingt.

Dass Rosa seit einigen Jahren auch Theaterstücke schreibt und inszeniert, hat viel mit dem Deutschen Theater zu tun: Jeder Idiot hat eine Oma, nur ich nicht war sein erstes Stück – ein Theaterabend über sich selbst, geschrieben und uraufgeführt 2018 aus Anlass seines 75. Geburtstags. Auch sein zweites Theaterstück, Hitlers Ziege und die Hämorrhoiden des Königs , kam in den Kammerspielen zur Uraufführung. Mit Die Insel der Perversen vollendet Rosa nun seine DT-Trilogie: Rosa und wichtige Mitverschworene aus den beiden Vorgänger-Abenden erfinden, schreiben, komponieren, singen, tanzen fürs DT Ein deutsches Singspiel . Anders als bei den Vorgängerabenden geht der Blick dabei in die nahe Zukunft: Was wäre wenn …? Wird alles düster oder bleibt alles rosa …?

Regie: Heiner Bomhard
Komposition: Heiner Bomhard
Bühne: Arite Löcher
Kostüme: Carlotta Weiß
Dramaturgie: Johann Otten, Bernd Isele

Dauer: 1 Stunde 45 Minuten, keine Pause

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Oper

Ursonate [Wir spielen, bis uns der Tod abholt]

Eine dadaistische Sprechoper von Kurt Schwitters

Eigenwillig und bizarr, anarchistisch und sinnentleert: Collagen-Kunst aus Müll, verwinkelte Grotten, ein Alphabet von hinten, eine wuchernde Privatwohnung ohne Außenwelt, Nonsens-Gedichte. Aberwitz und ad absurdum geführte Konventionen bis zur absoluten Sinnenlosigkeit wurden zum Markenzeichen des hannoverschen Dada-Künstlers, Dichters, Komponisten und Werbegrafikers Kurt Schwitters.

Dabei war seine Kunst geprägt von den Nachbeben des Ersten Weltkriegs, in dem sich eine ungeahnte Zerstörungswut entfesselte. Der Krieg hatte sich vom Schlachtfeld in die Köpfe verlagert. Mit dem Krieg zerfiel die vertraute Welt in ihre Bruchstücke, alle geltenden Sinnzusammenhänge verloren an Bedeutung. Ein tief verwurzeltes Gefühl der Orientierungslosigkeit machte sich breit.

Kunst diente Schwitters als Gegenwelt zur bestehenden bürgerlichen Gesellschaft, als skurriler Anti-Kosmos jenseits etablierter Logiken: Merz-Kunst, wie er seine eigene Kunst bezeichnete. Eine Silbe, die er aus dem Wort der damaligen Kom merz - und Privatbank herausgeschnitten hatte. Merz bedeutete für ihn die Überwindung der Gegensätze von Welt und Kunst, Sinn und Unsinn sowie den Grenzen zwischen den Künste

Schwitters arbeitete akribisch über neun Jahre (1923 – 1932) an seinem Lautgedicht Ursonate, während um ihn herum die Krisen der modernen Welt tobten. Zwar folgte er in der Struktur einer klassischen, viersätzigen Sonate, in die er aber sein verwildertes Sprachmaterial einsortierte und sie umformte zu einer Anti-Sonate – einer spielerischen Dekonstruktion der bildungsbürgerlichen Kunst. So befreite Schwitters die ideologisch vereinnahmte Sprache, indem er sie auf ihre Urlaute reduzierte, um alle semantischen Bezüge aufzulösen und durch die Atomisierung der Sprache neue Bedeutung schaffen zu können. Und auch diese absurde Lautpoesie mit Brüllen, Zischen, Krähen war für ihn Revolte und Beginn von etwas Neuem. Vive la crise! Oder mit den Worten des Bürgerschrecks: Fümms bö wö tää zää Uu.

Regie: Claudia Bauer
Komposition: Peer Baierlein
Bühne: Patricia Talacko
Kostüme: Vanessa Rust
Video: Jan Voges
Dramaturgie: Daniel Richter
Licht: Cornelia Gloth
Maske: Andreas Müller

Dauer: 1 Stunde 45 Minuten, keine Pause

empfohlen ab Klasse 9

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Bewertungen & Berichte Ursonate [Wir spielen, bis uns der Tod abholt]

Schauspiel

Endspiel

von Samuel Beckett
Deutsche Übertragung von Elmar Tophoven

Schon zu Beginn verkündet Clov mit tonloser Stimme dem blinden und bewegungsunfähigen Hamm: „...Ende, es ist zu Ende, es geht zu Ende, es geht vielleicht zu Ende.“ Trotzdem machen beide weiter und spielen nach genau festgelegten Regeln ihr ritualisiertes Spiel. Konkrete Erinnerungen an Vergangenes mischen sich mit aktuellen Sticheleien der in Hass und Liebe verbundenen Figuren. Sie sind gefangen in einer mythischen Ordnung, aus der es für sie kein Entrinnen gibt.
Wie also Endspiele spielen, wenn alles schon zu Ende ist? In dem 1956 geschriebenen Stück demonstriert Beckett, umgeben vom optimistischen Geist des Wiederaufbaus, die Manipulierbarkeit des geschichtlichen Diskurses, dessen unüberbrückbare Differenz zur realen Geschichte. Die Welt außerhalb scheint tot, aber solange gespielt wird auf der Bühne, im Theater und im Leben, solange muss gelebt werden - wenn man nicht so stoisch wie folgenlos das Leben selbst als Sterben bezeichnet. Beckett treibt mit Entsetzen Scherz und ist als genuiner Clown ernst zu nehmen, ohne dass die Unterscheidung von Ernst und Spaß noch alten Begriffen folgte.
Jan Bosse zeigt mit Ulrich Matthes als Hamm und Wolfram Koch als Clov Becketts ironischen Widerstand gegen die als hoffnungslos erscheinenden Verhältnisse.

Regie: Jan Bosse
Bühne: Stéphane Laimé
Kostüme: Kathrin Plath
Musik: Arno Kraehahn

Dauer: 1 Stunde 15 Minuten, keine Pause

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Schauspiel

Schicklgruber

von Neville Tranter und Jan Veldman

Mit diesem vage österreichisch klingenden Namen, Schicklgruber, weiß auf Anhieb kaum jemand etwas anzufangen. Dabei hieß so ursprüngliche eine später unter einem Künstlernamen sehr bekannt gewordene Persönlichkeit: Schicklgruber war der bürgerliche Name von Adolf Hitler. Das Stück von Jan Veldman und Neville Tranter schildert Hitlers letzte Tage kurz vor seinem Selbstmord im Führerbunker in Berlin. Trotz der düsteren Thematik ist dieses Puppenstück aber natürlich ganz im Tranter-Stil ein grotesk-skurriler Abend, der zwar ins Herz der Finsternis führt, aber auch die beruhigende Tatsache zeigt, dass der Tod vor nichts und niemandem Halt macht – selbst vor dem Bösen nicht.

Die beiden Puppenspieler Neville Tranter und Nikolaus Habjan verbindet über die Generationen hinweg seit vielen Jahren eine Freundschaft. Mit The Hills are Alive, das in der vergangenen Spielzeit im Deutschen Theater zu sehen war, erfüllten beide sich einen langgehegten Traum und standen das erste Mal gemeinsam auf der Bühne. Und im April 2024 erlebten wir einen bewegenden Moment, als Neville Tranter nach einer letzten Hills-Vorstellung seinen Abschied von der Bühne nahm. Der Altmeister des Klappmaul-Puppenspiels war in den 70er Jahren maßgeblich daran beteiligt, die Kunstform Puppenspiel für ein erwachsenes Publikum zu erschließen. Nach seiner aktiven Zeit als Puppenspieler übergibt er nun sein vielleicht bekanntestes Stück und die darin mitspielenden Puppen als Regisseur in die Hände von Nikolaus Habjan (und Manuela Linshalm), der damit das Werk seines Mentors weiterführt.

Regie: Nikolaus Habjan, Neville Tranter
Puppenbau: Neville Tranter
Bühne: Julius Theodor Semmelmann
Kostüme: Lisa Zingerle
Dramaturgie: Karla Mäder

Koproduktion zwischen dem Deutschen Theater und dem Theater in der Josefstadt Wien

empfohlen ab Klasse 10
Wir bitten Lehrende sich im Vorfeld des Theaterbesuches mit dem geschichtlichen Kontext der Handlung auseinanderzusetzen.

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Bewertungen & Berichte Schicklgruber

4 Schauspiel

Einsame Menschen

von Gerhart Hauptmann

Familie Vockerat lebt in einem Haus direkt am Müggelsee und eigentlich ist alles perfekt. Das Paar Johannes und Käthe hat gerade ein Kind bekommen. Johannesʼ Mutter Martha ist angereist, um ihre Schwiegertochter durchs Wochenbett zu begleiten. Doch das Glück will sich nicht richtig einstellen. Käthe versinkt im postnatalen Tief, Johannes fühlt sich verpflichtet, es allen recht zu machen und zugleich seine eigenen beruflichen Ziele zu verwirklichen. Martha beobachtet sorgenvoll, wie das Paar auseinanderdriftet. Als Johannesʼ Jugendfreundin Braun wie gewohnt zu Besuch kommt, bringt sie unerwartet einen weiteren Gast mit: Arno, der willkommene Abwechslung verspricht und alle in seinen Bann zieht. Schnell entsteht eine innige Freundschaft zwischen Johannes und Arno. Bei dem jungen Vater wird eine Sehnsucht wach, die seinen Lebensentwurf ins Wanken bringt.
Basierend auf Gerhart Hauptmanns Drama widmet sich Daniela Löffner dem fragilen Schwebezustand, der entsteht, wenn vermeintliche Gewissheiten sich auflösen und Entscheidungen noch ausstehen. Mit wem möchte ich leben und wie? Wieviel Verbindlichkeit braucht es, um nicht einsam zu sein?

Fassung: Daniela Löffner

Regie: Daniela Löffner
Bühne: Wolfgang Menardi
Kostüme: Carolin Schogs
Musik: Matthias Erhard
Dramaturgie: Sima Djabar Zadegan, Juliane Koepp
Licht: Thomas Langguth

Dauer: 3 Stunden, eine Pause
Mit englischen Übertiteln

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Bewertungen & Berichte Einsame Menschen

06.01.22, 00:31, MAX Erotik in entsprechender Arbeitskleidung

Man will hoffen, dass diese Sex-Szene nicht den einzigen Unterschied zu durchschnittlichen Stadttheaterniveau darstellt. Wobei natürlich nichts gegen Erotik in entsprechender Arbeitskleidung einzuwenden ist. Aber angesichts der zahlreichen Preise und Nominierungen der Regisseurin Daniela Löffner sollte mehr zu erwarten sein.

29.11.21, 20:28, Stagefan Explizit und intim


Im Rückblick ist es eigentlich eine Inszenierung auf durchschnittlichem Stadttheaterniveau. Wäre da nicht... ja, wäre da nicht diese explizite und intensive Nackt- und Liebesszene. Wohl die graphischste, die ich je auf einer Bühne gesehen habe. Und dann auch noch ganz diversity-konform zwischen zwei Männern. Von dieser Inszenierung wird mir vor allem im Gedächtnis bleiben, wie Kohler und Trebs nach der Pause ihre Zuneigung, Leidenschaft und Erotik füreinander aufbauen und ausleben. Löffner geht dabei an die Grenze dessen, was auf einer Bühne noch darstellbar ist. Mit Kohler und Trebs hat sie zwei mutige Schauspieler, die beim Liebesspiel ebenfalls persönliche Grenzen auszuloten scheinen, wie weit sie im Theater gehen können oder wollen. Der intimste und ehrlichste Theatermoment, den ich je auf einer Bühne gesehen habe, war der, als man beim splitternackten Enno Trebs seine aufkommende sexuelle Erregung deutlich erkennen konnte. Da hier dann wohl die Grenze des Darstellbaren auf der Bühne verläuft, zog er zwar zügig seine Unterhose an, um es zu kaschieren, aber das war für mich ein Theatermoment, der an Ehrlichkeit und Authentizität nicht zu toppen war. Hier war Theater dann keine Illusion mehr sondern Realität. Von daher Chapeau an diese beiden großartigen Darsteller für so viel Privates, Persönliches und Intimes in dieser Inszenierung.

06.01.22, 00:20, MAX:

Man will hoffen, dass diese Szene nicht den einzigen Unterschied zum durchschnittlichen Stadttheaterniveau darstellt. Wobei natürlich nichts gegen Erotik in entsprechender Arbeitskleidung einzuwenden ist. Aber angesichts der zahlreichen Preise und Nominierungen der Regisseurin Daniela Löffner sollte mehr zu erwarten sein.

2 Online

Junges DT: Die Schule

Ein interaktives Rätselgame des Jungen DT

Die 16-jährige Laura findet am letzten Schultag vor dem Lockdown eine Nachricht in ihrem Spind. Eine Mitschülerin ist in Gefahr und bittet sie um Hilfe. Aber Laura kann die Rätsel, die sie in ihren Schulheften findet, nicht lösen. Da sie an ihrer Schule niemandem mehr trauen kann, bittet sie vier Außenstehende um Hilfe…

In dem interaktiven Spiel mit Liveperformer_innen erhalten die Zuschauer_innen über Zoom, Telegram und Webseiten immer tiefere Einblicke in düstere Machenschaften der Schule. In Anlehnung an Escape Rooms und Detektivspiele entfaltet sich ein Mikrokosmos korrupter Cliquen-Anführer, illegaler Veranstaltungen und verängstigter Schüler_innen. Solidarität ist hier keine Tugend. Aber wer hat ein Motiv? Wer hat zu viel zu verlieren? Und wer hat gar keine Skrupel?

Das Spiel ist für vier Spieler_innen konzipiert. Um teilzunehmen, brauchen Sie einen PC, ein Smartphone mit der Messenger-App Telegram und eine stabile Internetverbindung.

Bitte geben Sie beim Ticketkauf unbedingt Ihre Wohnadresse, E-Mail und Telefonnummer an. Einige Materialien erhalten Sie vor Spielbeginn per Post und über Telegram. Wenn Sie mit einer oder mehreren Personen zusammenspielen wollen, geben Sie auch deren Adressen und Mobilnummern beim Ticketkauf an. Ihre Daten werden nur im Rahmen der Aufführung verwendet und nicht an Dritte weitergegeben!

Tickets: 10 / ermäßigt 5 Euro
Dauer: ca. 90 Minuten

Bei weiteren Fragen wenden Sie sich an info@jungesdt.de.
Leitung Nelly Gypkens, Lasse Scheiba Assistenz Nora Josif Mit Mina Guschke, Songül Ince, Lilly Sorgenfrey, Elias Leonard Thurow, Karolin Weber, Amon Wendel, Tessa Wyrostek

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Bewertungen & Berichte Junges DT: Die Schule

18.02.21, 09:54, Dabeisein Die Schule

Das TheaterGame des Jungen DT ist unglaublich liebevoll gemacht und bietet Rätsel auf unterschiedlichen Ebenen, die gemeinsam im Team gelöst werden können. Man bekommt z.B. einen Schulhefter nach Hause geschickt, in dem sich Hinweise verstecken, die man kombinieren muss mit denen, die die Mitspieler bei sich intdecken. Man begegnet Performen live im Chat, per Zoom und sogar am Telefon. Extrem gut ausgedacht, lebendig und engagiert gespielt, dazu noch eine gute, stimmige Geschichte. Unbedingt empfehlenswert als unterhaltsamer Abend mit Freunden und (dann) neuen Bekannten!

18.02.21, 09:53, Dabeisein Die Schule

Das TheaterGame des Jungen DT ist unglaublich liebevoll gemacht und bietet Rätsel auf unterschiedlichen Ebenen, die gemeinsam im Team gelöst werden können. Man bekommt z.B. einen Schulhefter nach Hause geschickt, in dem sich Hinweise verstecken, die man kombinieren muss mit denen, die die Mitspieler bei sich intdecken. Man begegnet Performen live im Chat, per Zoom und sogar am Telefon. Extrem gut ausgedacht, lebendig und engagiert gespielt, dazu noch eine gute, stimmige Geschichte. Unbedingt empfehlenswert als unterhaltsamer Abend mit Freunden und (dann) neuen Bekannten!

Schauspiel

Böhm

von Paulus Hochgatterer

Dirigenten sind faszinierende Menschen: Musikalisch von höchster Sensibilität, gebieten sie als gottähnliche Alleinherrscher über riesige Klangkörper. Sie müssen sowohl Empfindsamkeit als auch Führungsstärke mitbringen und sind bisweilen tyrannische, selbstherrliche Despoten, deren Seelenregungen oder Fingerzeige eine Hundertschaft in Bewegung zu setzen vermögen. So wie Karl Böhm, einer der größten Dirigenten des 20. Jahrhunderts. Zwischen Geburt und Begräbnis liegen fast 87 Lebensjahre, die von einem tiefen Zwiespalt geprägt sind: Einerseits war Böhm ein großer Künstler, andererseits war er ein Mensch, der sich mit dem Nationalsozialismus gemein machte, um seine Karriere voranzutreiben.

Auf Fürsprache Hitlers wurde Böhm 1934 an die Semperoper in Dresden berufen, um Nachfolger des Dirigenten Fritz Busch zu werden, den das NS-Regime zum Rücktritt und zur Emigration genötigt hatte. 1943, mitten im Zweiten Weltkrieg, wurde Böhm Direktor der Wiener Staatsoper. 1945 entfernten ihn die alliierten Besatzungsbehörden wegen zu großer Nähe zum Nazi-Regime aus dem Amt des Direktors und belegten ihn mit einem Auftrittsverbot. Nach Ende der Besatzungszeit bis 1956 wurde er dann ein zweites Mal mit diesem Amt betraut.

Der begnadete Puppenspieler und Puppenbauer Nikolaus Habjan beschäftigt sich in Böhm erneut mit dem finstersten Kapitel europäischer Geschichte, das ihn auch in anderen Stücken umtreibt, wie z.B. in F. Zawrel – Erbbiologisch und sozial minderwertig . Böhm stammt aus der Feder des Wiener Autors Paulus Hochgatterer, der Nikolaus Habjan und dessen Puppen die Rollen auf den Leib geschrieben hat.

Regie: Nikolaus Habjan
Regiemitarbeit: Martina Gredler
Bühne: Julius Theodor Semmelmann
Kostüme: Cedric Mpaka
Dramaturgie: Karla Mäder, Elisabeth Geyer

Dauer: 1 Stunde 45 Minuten, keine Pause

voraussichtlich empfohlen ab Klasse 9

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Bewertungen & Berichte Böhm

Schauspiel

F. Zawrel - Erbbiologisch und sozial minderwertig

von und mit Nikolaus Habjan

Gastspiel Schubert Theater Wien

Der Vater ist Alkoholiker, die Mutter nicht fähig, die Familie zu ernähren: Als Kind landet Friedrich Zawrel (1929 – 2015) erst im Heim, schließlich im Spiegelgrund, jener berüchtigten „Kinderfachabteilung“ des Deutschen Reiches in Wien, in der Euthanasiemorde an kranken und behinderten Kindern begangen wurden. Vom Anstaltsarzt Dr. Gross wird Zawrel als „erbbiologisch und sozial minderwertig“ eingestuft und mit medizinischen Experimenten gequält, doch kann er eines Tages mit der Hilfe einer Krankenschwester aus der Anstalt entkommen. Als Halbwüchsiger lebt er auf der Straße, im Nachkriegswien folgt eine Karriere als Kleinkrimineller. Diese bringt ihn wiederholt ins Gefängnis und immer wieder vor psychiatrische Gutachter, bis er eines Tages seinem ehemaligen Peiniger gegenübersitzt, der ihm einen Deal anbieten will. Doch Zawrel lässt sich nicht bestechen. Allerdings kommt es erst im Jahr 2000 kommt zu einem Gerichtsverfahren, das wegen einer angeblichen Demenz von Gross eingestellt wird. Dieser kann sich an nichts mehr erinnern …

Der Figurentheaterabend von Nikolaus Habjan und Simon Meusburger entstand auf der Basis von erlebter Geschichte: Friedrich Zawrel, dieser so liebenswerte, humorvolle und resiliente Wiener, erzählte als hochbetagter Zeitzeuge bis zu seinem Tod im Jahr 2015 vor Schulklassen und bei anderen Gelegenheiten, was ihm widerfahren ist.

Das Ergebnis ist ein dramatisches, berührendes und theatral packendes Stück Erinnerungsarbeit. Die Inszenierung erhielt den Nestroy-Preis 2012 in der Kategorie Beste Off-Produktion und wurde bislang von Nikolaus Habjan mehr als sechshundertmal gespielt: Friedrich Zawrel, er lebt weiter in der Klappmaulpuppe von Nikolaus Habjan.

Ausgezeichnet mit dem Nestroy-Preis Beste Off-Produktion.

Regie: Simon Meusburger
Puppenbau: Nikolaus Habjan
Lichtdesign: Simon Meusburger
Kostüm (Schubert Theater Wien): Lisa Zingerle
Licht: Cornelia Gloth

Dauer: 2 Stunden, keine Pause

empfohlen ab Klasse 9

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Bewertungen & Berichte F. Zawrel - Erbbiologisch und sozial minderwertig

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Deutsches Theater Berlin

Das Deutsche Theater in Berlin zählt zu den bedeutendsten Sprechtheaterbühnen im deutschsprachigen Raum. Hinter seiner eleganten klassizistischen Fassade beherbergt das 1849 gegründete Theater in der Schumannstraße heute drei Bühnen: Das Große Haus mit ca. 600 Plätzen, die Kammerspiele mit ca. 230 Plätzen sowie die 2006 neu eröffnete Box - eine kompakte Blackbox im Foyer der Kammerspiele mit 80 Zuschauerplätzen. Auf dem Spielplan stehen zum einen Klassiker und moderne Klassiker von Autoren wie Shakespeare, Schiller, Tschechow, Sartre, Ibsen und Goethe, zum anderen werden Stücke zeitgenössischer Autoren wie Lukas Bärfuß, Dea Loher, Wolfram Lotz, Roland Schimmelpfennig, Ferdinand Schmalz und Nis-Momme Stockmann gezeigt und zur Uraufführung gebracht. Einmal im Jahr finden am Deutschen Theater die Autorentheatertage statt, ein 14-tägiges Festival der zeitgenössischen Dramatik.

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Bewertungen & Berichte Deutsches Theater Berlin

Aufführungen / Oper Staatsoper Unter den Linden Berlin Berlin, Unter den Linden 7
Aufführungen / Theater Deutsches Theater Berlin Berlin, Schumannstraße 13a
Aufführungen / Show Friedrichstadt-Palast Berlin Berlin, Friedrichstraße 107
Aufführungen / Oper Komische Oper Berlin im Schillerttheater Belin
Aufführungen / Theater Theater im Palais Berlin Berlin, Am Festungsgraben 1
Aufführungen / Kabarett Kabarett Obelisk
SatireTheater Potsdam
Potsdam, Charlottenstraße 31
Aufführungen / Theater Prime Time Theater Berlin, ​Müllerstraße 163
Aufführungen / Theater Uckermärkische Bühnen Schwedt Schwedt/Oder, Berliner Straße 46/48
Aufführungen / Theater Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz Berlin, Linienstr. 227
Aufführungen / Kabarett Die Wühlmäuse Berlin Berlin, Pommernallee 2-4
Aufführungen / Theater Theater Ost Berlin Berlin, Moriz-Seeler-Straße 1
Ereignisse / Festival Maerzmusik Berlin 20. bis 29.3.2026
Ereignisse / Festival Theatertreffen Berlin 1. bis 15.5.2026
Aufführungen / Theater Maxim Gorki Theater Berlin Berlin, Am Festungsgraben 2
Aufführungen / Theater HAU Hebbel am Ufer Berlin Berlin, Stresemannstr. 29
Aufführungen / Theater Sophiensaele Berlin, Sophienstr. 18
Aufführungen / Show Wintergarten Varieté Berlin Berlin, Potsdamer Str. 96
Aufführungen / Theater Improtheater Paternoster Berlin Berlin, Voßbergstraße 3
Aufführungen / Oper Deutsche Oper Berlin Berlin, Bismarckstr. 35
Aufführungen / Theater Constanza Macras / DorkyPark Berlin, Herzbergstr. 40-43
Aufführungen / Theater Theater Varia Vineta Berlin Berlin Pankow, Berliner Str. 53
Aufführungen / Theater Komödie am Kurfürstendamm Berlin, Marlene-Dietrich-Platz 1
Aufführungen / Theater Renaissance-Theater Berlin Berlin, Knesebeckstraße 100
Aufführungen / Oper Neuköllner Oper Berlin, Karl-Marx-Str. 131-133
Aufführungen / Theater Berliner Kriminal Theater Berlin, Palisadenstrasse 48
Aufführungen / Theater Kulturquartier Mönchenkloster Jüterbog Jüterbog, Mönchenkirchplatz 4
Aufführungen / Theater Theater Poetenpack Potsdam Potsdam, Lennéstr. 37
Aufführungen / Theater theater DIE BOTEN Berlin, Schottstraße 6
Aufführungen / Kabarett Berliner Kabarett Klimperkasten Berlin, Thuyring 63
Aufführungen / Theater Podewil Berlin, Klosterstr. 68-70
Aufführungen / Theater Kleines Theater Berlin Berlin, Südwestkorso 64
Aufführungen / Theater Theatersport Berlin Berlin, Bürgerheimstr. 8
Aufführungen / Theater Teatr Studio am Salzufer Berlin, Salzufer 13/14
Aufführungen / Theater BühnenRausch Berlin, Erich-Weinert-Straße 27
Aufführungen / Theater Theaterdiscounter Berlin, Monbijoustr. 1
Aufführungen / Theater Cafe Theater Schalotte Berlin, Behaimstraße 22
Aufführungen / Kulturveranstaltung Glaskasten Ballsaal Berlin, Prinzenallee 33
Aufführungen / Comedy QUATSCH Comedy Club Berlin, Friedrichstr. 107
Aufführungen / Theater BKA-Theater Berliner Kabarett Anstalt Berlin, Mehringdamm 34
Aufführungen / Theater Theater Morgenstern Stahnsdorf, Rotkehlchenweg 35
Aufführungen / Theater Theater o.N. (Zinnober) Berlin, Kollwitzstr. 53
Aufführungen / Theater Theater TRANSIT Berlin, Boxhagener Str. 99
Aufführungen / Theater Chamäleon Theater Berlin, Rosenthaler Str. 40/41
Aufführungen / Theater Theater Thikwa Berlin, Fidicinstr. 40
Aufführungen / Theater English Theatre Berlin Berlin, Fidicinstr. 40
Aufführungen / Musical Theater Am Potsdamer Platz Berlin, Marlene-Dietrich-Platz 1
Aufführungen / Theater Zimmertheater Steglitz Berlin, Bornstr. 17
Aufführungen / Theater Theater der Migranten Reuterkiez Theater Berlin, Bürknerstr. 5
Aufführungen / Theater Theater Adlershof Berlin, Moriz-Seeler-Str. 1

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